Medien : Warum keiner die 50er Jahre liebt

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Die Italiener gelten als fernsehbegeisterte Nation. Folgerichtig haben sie einen Medienimpresario zum Präsidenten gewählt. Berlusconis Showtalent herrscht heute über alle Kanäle. Wird sich Italien eines Tages zu Tode amüsieren, fragen skeptische Intellektuelle. In Andreas F. Müllers Feature „Telemania – Leben unter dem Mediendiktat“ geht es um nicht weniger als die Behauptung, die Demokratie in Italien sei mittlerweile durch eine Art gut gelaunte Mediendiktatur ersetzt worden. Der Staat gehöre einem Privatunternehmer, das Fernsehen sei sein wichtigstes Machtinstrument. Kulturkritische Paranoia oder realistische Situationsanalyse? In Müllers Feature jedenfalls sind die Berlusconi-Gegner beinahe unter sich (Kulturradio, 26. Oktober, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Das Jahr 1955 ist ein halbes Jahrhundert alt. Warum soll man den Jubilar nicht kräftig feiern? „Käfer macht Karriere“ haben Gabriele Brennecke und Paul Stänner ihre lange Radionacht überschrieben, die einzig dem deutschen Jahr 1955 gewidmet ist. Rückblick auf das gute, alte Wirtschaftswunder. Im Jahr 1955 läuft der millionste Käfer vom Band, es herrscht Vollbeschäftigung. Man isst wieder gut und reichlich, gerade hat die Nation den Rest der Welt im Fussball besiegt. Weitere Bekannte, die in dieser Nacht auftauchen: Konrad Adenauer, der nach Moskau fährt, die ersten italienischen Gastarbeiter, die gen Deutschland ziehen, die noch jugendliche Nato, die sich gerade eng mit der Bundesrepublik anfreundet (Deutschlandradio Kultur, 29. Oktober, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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Alle lieben die Sechziger. Auch die Siebziger sind begehrt bei Retrofreunden. Die Jahrzehnte des popkulturellen Aufbruchs, der subkulturellen Befreiung. Aber niemand schwärmt von den Fünfzigern. Bleierne Zeit, heißt es, muffig und grau. Doch Hörspielautor Hermann Bohlen beweist, dass es ein Leben vor den großen Modernisierungsschüben gab. „Onager“ heißt Bohlens wunderbar verschrobene Collage aus Tondokumenten der fünfziger Jahre. Ein Streifzug durch die akustischen Archive jener versunkenen Epoche. Öffentlich-rechtliche Medienanstalten haben ebenso dazu beigetragen wie private Tonbandsammlungen (Kulturradio, 30. Oktober, 14 Uhr 04).

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Was ist eigentlich aus dem meistgesuchten Mann der Welt geworden? Jener schwerreiche arabische Bauunternehmer, der so brutal ins Abrissgeschäft wechselte. Ist Osama bin Laden längst tot? Versteckt er sich in einsamen pakistanischen Bergschluchten? Hat er sich einen neuen Namen und ein neues Gesicht zugelegt? Feature-Autor Marc Thörner hat sich auf die Suche gemacht. Eine Suche nicht nur nach dem aktuellen Versteck des Unholds, sondern auch nach seiner Biografie und Psyche. Wie weit reicht hier das gesicherte Wissen, wo beginnt die massenmedial erzählte Legende? „Wie ein Fisch im Wasser?“ heißt das spannende Feature (Deutschlandfunk, 1. November, 19 Uhr 15, UKW 97,7 MHz).

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