Warum Polit- und Terrorismus-Fernsehen versagen : Warmduschen um 20 Uhr 15

Mäßige Quoten für ZDF-Dokudrama zu Beate Zschäpe und die ARD-Serie "Die Stadt und die Macht" Nur logisch für die 20-Uhr-15-Mesaillance aus Programm und Publikum

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"Letzte Ausfahrt Gera". Beate Zschäpe (Lisa Wagner) und BKA-Mann Troller (Joachim Król) bei der Ankunft vor der JVA Gera.
"Letzte Ausfahrt Gera". Beate Zschäpe (Lisa Wagner) und BKA-Mann Troller (Joachim Król) bei der Ankunft vor der JVA Gera.Foto: ZDF und Janett Kartelmeyer

Stimmt das, was die dpa schreibt? „Das ZDF-Dokudrama ,Letzte Ausfahrt Gera – Acht Stunden mit Beate Zschäpe‘ mit Lisa Wagner kam nur auf 2,46 Millionen Zuschauer.“ Es ist dieses „nur“, was irritiert. Es stimmt in der Perspektive, dass eine Fernsehsendung um 20 Uhr 15 und damit zur besten Sendezeit nur 2,46 Millionen Zuschauer hat. Das ist eine überschaubar gute Quote. Sie liegt auf der Erfolgslinie der ARD-Miniserie „Die Stadt und die Macht“, deren Finale 2,47 Millionen Zuschauer erreichte.

Das Handeln der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe als Mischung aus Fiktion und Dokumentation, die Visionierung der Karriere einer Anwältin zur Regierenden Bürgermeisterin von Berlin, da sind die stofflichen Schnittmengen geringer als die gemeinsamen Begründungen für die Quoten.

ARD und ZDF unterfordern das 20-Uhr-15-Publikum

ARD und ZDF haben das 20-Uhr-15-Publikum aus diesen Programmherausforderungen entlassen. Das ZDF hat in seiner Panik, auf jeden Fall der Marktführer im deutschen Fernsehen sein zu müssen, sein fiktionales Programm auf den Krimi, ob als Serie oder als Film, ausgerichtet. Das Publikum geht diesen Weg mit, umso erschrockener reagiert es, wenn das Zschäpe-Thema aufgerufen wird. Und dann war das Produkt auch noch mittelmäßig, gerade hier muss auf Weltklasseniveau gearbeitet werden.

Die ARD handelt nur unwesentlich anders. Auch sie hat ihre Zuschauer auf dieses Brot-und-Butter-Fernsehen ausgerichtet. „Um Himmels Willen“, der „Tatort“, das sind in ihren Formaten hervorragende Suchtstoffe, besser als „Die Stadt und die Macht“.

Alle Tage Warmbadetage

Die überaus konservative Programmpolitik plus die offensichtlich abhandengekommene Meisterschaft für ein Dokudrama oder für eine Politserie müssen zu diesen Quoten führen. Das „nur“ steht für „immerhin“. Die Sender führen ihr Publikum nicht mehr, Verführung ist streng verboten, Angebot und Nachfrage sind zur Deckung gekommen. Im 20-Uhr-15-Fernsehen ist jeden Tag Warmbadetag.

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