Medien : „Warum soll ausgerechnet ich kurz treten?“

Erich Böhme moderiert wieder den „Talk im Turm“ – und hat dann drei Sendungen an zwei Tagen

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Herr Böhme, von Montag an werden Sie zweimal am selben Tag talken. Wie schaffen Sie das bloß?

Mit einem Trick natürlich. Den „Grünen Salon“ zeichnen wir auf und senden zeitversetzt. Hintereinander soll es schon sein.

Einmal Sonntag, zweimal Montag – drei Sendungen an zwei Tagen. Das riecht stark nach Weltrekord.

Wenn es sowieso eine Inflation von Talkshows gibt, warum soll dann ausgerechnet ich kurz treten? Außerdem: Wenn du von einem Sender gefragt wirst, bei dem du unter nicht ganz so schönen Umständen ausgeschieden bist, ob du nicht fünf Sendungen machen willst, dann möchte ich den sehen, der das Angebot ablehnt.

Werden Sie uns bis in alle Ewigkeit erhalten bleiben?

Ihr werdet den Böhme los, ich verspreche es. Irgendwas wird sich dann schon für mich finden. Aber eines steht fest: Ich werde keine Autobiographie schreiben.

Der „Talk in Berlin“ bei n-tv und der „Talk im Turm“ unterscheiden sich wodurch?

Durch die Leute, die wir einladen. Ich will möglichst viele Politiker und andere, die etwas zu sagen haben, noch einmal zur Rede bringen.

Alle wollen ins Fernsehen. Selbst der Wahlkampf findet nur noch im Fernsehen statt. Hat das Fernsehen wirklich solchen Einfluss?

Wenn ich selbstkritisch bin, dann muss ich sagen, ich weiß es nicht.

Sind Sie denn selbstkritisch?

Na hören Sie mal. Worum es mir geht, ist zu versuchen, die Damen und Herren Politiker über die Barrikade zu ziehen. Sie sollen auch Gelegenheit bekommen, sich zu blamieren.

Was halten Sie von Ihren Nachfolgern bei n-tv, Klaus Bresser und Andrea Fischer?

Ich bressere nicht und ich böhme auch nicht hinterher. Wenn mich aber einer fragen würde – mich fragt aber, Gott sei Dank, keiner –, dann würde ich in jedem Fall eine neue Sendung machen und das Alte einschlafen lassen. In getragene Kleider würde ich nie schlüpfen.

Sie sind doch auch nachgefolgt.

Ja, aber mir selbst.

Was halten Sie von den kommenden Fernseh-Duellen zwischen dem Kanzler und seinem Herausforderer, auf die alle starren wie das Karnickel auf die Schlange?

Ich glaube nicht, dass das viel bringt. Die beiden Herren sind im Augenblick so verharzt, die stehen sich in einer Frontstellung gegenüber. Was, bitte, soll das bringen? Die werden aneinander vorbeireden und nicht miteinander. Es wäre schon eine Sensation, wenn sie sich überhaupt die Hand gäben. Ich glaube, dieses Duell mit feuchtem Pulver und verrosteten Pistolen wird sehr viel langweiliger ausfallen als jeder „Tatort“.

Ja, dann müssen wir unbedingt den „Talk im Turm" einschalten: Worüber werden Sie diskutieren?

Das bestimmt die Aktualität. Wenn es immer noch die große Flut ist, dann eben die große Flut.

Nicht über den Wahlkampf?

Es macht die Sache nicht gerade spannender, dass die Opposition zehn Prozent vor der Regierung liegt. Soweit ich mich erinnere, ist es noch nie vorgekommen, dass ein Vorsprung von zehn Prozent, und das vier Wochen vor der Wahl, aufgeholt worden wäre. Aber dann brachen die Dämme der Elbe. Jetzt ist alles anders und vieles möglich. Schröder zaubert zurzeit aus dem Zylinder, in dem keine Karnickel mehr waren, immer neue hervor. Und der Stoiber kann nur nebendran stehen.

Talken Sie bei Sat 1 vielleicht auch deshalb, um das Zünglein an der Waage zu spielen?

Seien wir doch ehrlich: Wenn wir als Journalisten nicht mehr die Hoffnung haben, ein bisschen zu wirken, dann können wir unseren Beruf gleich an den Nagel hängen.

Das Gespräch führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

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