Medien : Was hat der Eierkopf mit der Eieruhr zu schaffen?

Frank Schirrmacher und Verona Feldbusch treffen sich bei „Beckmann“ und reden gezielt aneinander vorbei

Barbara Sichtermann

Das „Methusalem-Komplott“, also der Autor dieses Buches, Frank Schirrmacher, gemeinsam mit dem Inbegriff der blühenden Jugend, Verona Feldbusch, in einer Talkshow – das setzt Fantasien frei. Der FAZ-Mann und die Pop-Ikone, Eierkopf und Eieruhr, gäbe das womöglich ein ähnlich spektakuläres Treffen wie einst das Rencontre von Feldbusch und Alice Schwarzer bei Kerner? Es gab überhaupt nichts. Beckmann fragte seine Gäste brav der Reihe nach aus, und der Autor des Buchs über das Altern und die junge Mutter kamen kaum dazu, einander was mitzuteilen. Es ist auch die Frage, ob Schirrmacher Lust gehabt hätte, sich über Darmspiegelung zu unterhalten, denn das war das Thema, zu dem Feldbusch zusammen mit Christa Maar geladen war. Beide bemühen sich um eine Stiftung, deren Zweck es ist, die Bevölkerung zur Darmkrebsvorsorge zu ermuntern. Und dass Feldbusch am Thema Altern nicht brennend interessiert war, konnte man an ihren Blicken und ihrem Lächeln ablesen, die manchmal zwischengeschnitten wurden, als Schirrmacher referierte.

Man redete also wieder mal zielsicher aneinander vorbei – genau wie übrigens damals bei Kerner das Model und die Feministin. Muss das eigentlich so sein? Ja schon. Bei Talkshows von der Art, wie Kerner und Beckmann sie machen, geht es um Personalities, und jede einzelne will/soll glänzen. Dass sie untereinander ins Gespräch kommen, ist nicht vorgesehen und wäre schwierig. Es ist schon viel gewonnen, wenn sich ein wenig Kommunikation zwischen Gast und Moderator ereignet. Da ist es von Vorteil, wenn eine CD, eine Tournee oder gar ein Buch (Schirrmachers Alterswerk liegt bei Amazon bereits auf Platz 5!) existiert, dessen Inhalt abgefragt werden kann, aber eine Stiftung zur Senkung der Darmkrebsrate tut es natürlich auch.

Immerhin hat Beckmann als alter Hase genug Gespür für Stimmung, um es thematisch nicht bei Krebsgefahr und Alter zu belassen; geschickt lenkte er nach pflichtgemäßer Verbeugung vor dem Engagement der Damen die Aufmerksamkeit auf ein gesünderes Phänomen: Verona als solche. Wo sie denn wohl ihr Selbstbewusstsein her habe? Und ihre Kinderliebe? Und ob sie den berühmten Werbeslogan: „Hier werden Sie geholfen“ wirklich selbst ersonnen habe? Feldbusch war wie immer sehr direkt und auskunftsfreudig. Das Publikum erfuhr zum soundsovielten Male, dass sie bolivianische Vorfahren hat und acht Kilo abnehmen möchte (was Beckmann sympathischerweise gar nicht gut findet). Sowie, erstmals, dass ein echter Hirnforscher ihr eine „phänomenale Intelligenz“ bescheinigt habe. Na bitte. Jetzt dürfen alle Verona-Fans den Kopf in den Nacken werfen, wenn ihr Idol noch mal „Dummchen" genannt wird. Nach dieser Erkundungstour rund um das Rätsel Verona konnte Beckmann dann Schirrmacher reinlassen und mit ihm Methusalem und unser aller Sterblichkeit.

Das Label Talkshow ist im Grunde irreführend. Jedenfalls solange man es so versteht, dass hier Leute miteinander reden. Sie reden nebeneinander und häufig nacheinander und fast immer über sich selbst. Die Miteinander-Momente sind selten. Aber das sind sie im Leben ja auch.

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