Medien : Was heißt „getürkt“?

Im ZDF startet heute eine Integrationswoche

Thomas Gehringer

Regisseur Detlev Buck hat den Trailer gedreht für die „Woche der Integration“ im ZDF. Darin geraten deutsche und ausländische Nachbarn in Streit. Alle haben ein Brett vorm Kopf, weshalb sie nichts sehen können und ständig irgendwo gegen laufen. Die Botschaft ist perfekt getroffen: Aufklären, ohne dass die Unterhaltung zu kurz kommt. Das ist das Ziel der ZDF-„Integrationswoche“, dem umfangreichsten Programmschwerpunkt, den sich der Sender bisher geleistet hat. 22 Sendungen hat er in dieser Woche unter der Marke „Wohngemeinschaft Deutschland“ aufgelistet, wovon allerdings knapp die Hälfte erst im Nachtprogramm läuft. Außerdem beteiligen sich noch die aktuellen Magazine, das Kinderprogramm, die digitalen ZDF-Sender sowie 3sat, Arte, Phoenix und der Kika. Niemand kann ernsthaft alle Sendungen sehen. Es funktioniert eher nach dem Gießkannenprinzip: irgendwann wird jeder Zuschauer mal nass.

Auswählen ist also notwendig, deshalb hier einige unverbindliche Vorschläge: Mit dem persönlichen, mutigen Film „Roots Germania“ (heute, 0 Uhr 30 Uhr) hat sich die schwarze Moderatorin Mo Asumang („Liebe Sünde“) die Angst vor Neonazis von der Seele gefilmt. Die Attacken gegen die in Kassel geborene Berlinerin Asumang, Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers, gipfelten in einer Morddrohung in einem Song der Band „White Aryan Rebels“. Asumang sucht in ihrem Filmdebüt Kontakt zur rechten Szene und reist zugleich auf der Suche nach ihren Wurzeln zum Vater nach Ghana.

In der „37 Grad“-Reportage „Schwarze Haut – Weißer Hass“ (Dienstag, 6. November, 22 Uhr 15 Uhr) erzählt Autor Gregor Bialas die traurige Geschichte der Familie Pilima, die in einem kleinen Ort in der Sächsischen Schweiz seit Jahren fremdenfeindlichen Attacken ausgesetzt ist.

Das ehrgeizigste Projekt ist die dreiteilige Dokumentation „Rap, Koran und Oma Bonke“ (erster Teil am Mittwoch, 7. November, 22 Uhr 15 Uhr). Fünf Reporter haben sich mehrere Monate in der Dortmunder Nordstadt einquartiert und berichten über den sozialen Brennpunkt, in dem fast jeder Zweite ausländische Wurzeln hat.

Dass wenigstens beim Essen Multikulti funktioniert, zeigt der ehemalige ZDF-Korrespondent Gert Anhalt mit seiner Reportage „Döner, Pizza, Sauerkraut“ (Dienstag, 6. November, 20 Uhr 15 Uhr) über die bunte Vielfalt am Herd. Auch mit der Multikultishow „Kaya Yanar testet Deutschland“ (Donnerstag, 8. November, 20 Uhr 15 Uhr) schielt das ZDF auf das breite Publikum. „Was guckst du?“-Spaßvogel Yanar kam die Idee dazu während der Diskussion um den Einbürgerungstest. Das Publikum und acht prominente Kandidaten müssen nun Fragen beantworten wie: „Woher stammt der Ausdruck ,getürkt‘?“ Thomas Gehringer

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