Medien : Was Spanier in der Siesta wirklich machen

Alva Gehrmann

Bisher dachte man immer, die Südeuropäer nutzten die Siesta, um ein kleines Nickerchen zu machen. Doch eine Studie hat nun herausgefunden, was Spanier und Italiener in diesen Stunden wirklich machen: fernsehen nämlich. Die von der RTL Group in Auftrag gegebene Studie "Television 2001" hat das Fernsehverhalten im internationalen Vergleich betrachtet. Sie analysiert für das Jahr 2000 die unterschiedliche Art und vor allem Dauer des Fernsehens.

Soaps und Nachrichten sind das, was die Spanier am liebsten in der Mittagszeit gucken. Ganz anders die Nordeuropäer: Sie sehen vor allem am Abend fern. Die Hauptfernsehzeit der Deutschen ist allerdings nicht, wie man vermuten könnte, um 20 Uhr 15, sondern um 21 Uhr. Dagegen schalten die Spanier ihren Fernseher nach der Siesta erst wieder gegen 22 Uhr 30 ein.

Am wenigsten sitzen übrigens Isländer (147 Minuten) und Österreicher (148 Minuten) vor dem Fernseher, Mazedonier hingegen verbringen täglich fast fünf Stunden (286 Minuten) vor dem Bildschirm. Ganz so fernsehbesessen sind die Deutschen nicht: Erwachsene guckten im Jahr 2000 immerhin 203 Minuten; Kinder gut anderthalb Stunden. Im Vergleich zu den Südeuropäern ist das wenig. Denn italienische Kinder sitzen 160 Minuten vor der Glotze, türkische sogar über drei Stunden. Trotz dieser hohen Quote schauen Kinder laut dieser Studie insgesamt weniger Fernsehen als Erwachsene. Einzige Ausnahme ist Brasilien: Hier verbringt der Nachwuchs mehr Zeit vor dem Fernseher. 203 Minuten harren die brasilianischen Kinder aus; nicht viel weniger die Erwachsenen dort (199 Minuten).

Erstaunlich sind auch die Tageszeiten, in denen die Brasilianer schauen. Anders als in den meisten Ländern, in denen hauptsächlich abends ferngesehen wird, sitzen die Südamerikaner fast den ganzen Tag vor der Kiste. Dafür gucken sie in den späten Stunden nicht so lange. Auch das Fernsehverhalten der Asiaten hat seine Besonderheiten: Anstatt morgens, wie viele Europäer dies tun, beim Frühstück Radio zu hören, informieren sich zum Beispiel die Japaner schon ganz früh übers TV. Sie schauen also morgens, mittags und abends fern.

Der Fernsehkonsum ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Grundsätzlich gilt: Je mehr Kanäle im jeweiligen Land zur Verfügung stehen, umso höher ist auch die Zeit, die vor dem TV verbracht wird. Zudem spielen große Sportereignisse eine wichtige Rolle. Und allein schon deshalb war 2000 für die Fernsehmacher ein gutes Jahr: Die olympischen Sommerspiele aus Sydney lockten alle Nationalitäten vor den Fernseher. Egal, zu welcher ungewöhnlichen Tageszeit auch immer.

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