Was will Jeff Bezos? : Weiter Debatte um Verkauf der „Washington Post“

Die Diskussion über die Zukunft der traditionsreichen „Washington Post“ ebbt nicht ab.

Die Diskussion über die Zukunft der traditionsreichen „Washington Post“, die in diesem Monat von der Eigentümerfamilie Graham an Amazon-Gründer Jeff Bezos verkauft wurde (Hintergründe hier), ebbt nicht ab. Nach dem ersten Schock über den Verkauf werden die kritischen Stimmen immer lauter. „Es ist in gewisser Art eine epochale Geschichte, der Niedergang der Grahams und der Niedergang der ,Washington Post’“, kommentiert John Cassidy, Redakteur des „New Yorker“-Magazins. „Mich interessiert mehr die andere Seite daran – was Bezos selbst mitbringt, was seine Interessen sind.“ Er selbst sei skeptisch, was die Zukunft der Zeitung angehe.

Es ist eine Skepsis, die auch andere teilen. Viele vermuten bei Bezos hinter dem Kauf politische Motive. Bradley Graham und Lissa Muscatine, zwei ehemalige Mitarbeiter der „Washington Post“, die jetzt einen beliebten Buchladen in Washington führen, schreiben etwa in einem offenen Brief: „In jedem Fall wird der Kauf der ,Post’ den Einfluss von Bezos und Amazon in Washington, der bereits beträchtlich ist, erhöhen.“ Verdächtig erscheint ein früher in diesem Jahr unterzeichneter Vertrag mit einem Wert von 600 Millionen Dollar (rund 453 Millionen Euro) zwischen Amazon und dem Geheimdienst CIA. Darin geht es um die Zusammenarbeit bei der Online-Datenspeicherung, um Cloud Computing.

Barack Obama besuchte Amazon-Lager

Erst kürzlich besuchte US-Präsident Barack Obama ein Amazon-Lager in Tennessee, um dort eine Rede vor Angestellten zu halten. Der Mitbegründer von „Free Press“, einer gemeinnützigen Organisation für öffentliche Interessen und Demokratie, Robert McChesney, erklärte: „Zeitungen mit Monopolstellung, insbesondere die ,Washington Post’ in der Hauptstadt der Nation, die vielleicht wirtschaftlich gesehen kein rentables Unternehmen mehr sind, haben immer noch große politische Macht.“ Diese seien jetzt ein „Spielzeug“ für jene Milliardäre, die diese aggressiv benutzen könnten, um ihre eigene Politik voranzutreiben. Diese Erkenntnis ist nicht neu, die Sorge aber bleibt: Bezos könnte in Zukunft, direkt oder indirekt, die Berichterstattung der „Post“ beeinflussen. Die legendären Reporter Carl Bernstein und Bob Woodward, die für die „Washington Post“ die Watergate-Affäre aufdeckten, äußerten sich hingegen positiv zum Verkauf. „Er ist der Innovator, er hat das Geld und die Geduld, wir werden sehen. Ich denke, auf eine gewisse Art und Weise könnte das die letzte Chance der ’Post’ sein zu überleben.“ meh (mit dpa)

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