• WDR-Doku "My Escape / Meine Flucht": Wie Flüchtlinge mit dem Handy ihre Odyssee filmen

WDR-Doku "My Escape / Meine Flucht" : Wie Flüchtlinge mit dem Handy ihre Odyssee filmen

Millionen Menschen halten Bilder ihrer Flucht mit dem Smartphone fest: Die ungewöhnliche Dokumentation "My Escape / Meine Flucht" wird am Mittwoch im WDR-Fernsehen gezeigt.

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Leben im Transit. Syrische Flüchtlinge an einem Bahnhof in Kroatien.
Leben im Transit. Syrische Flüchtlinge an einem Bahnhof in Kroatien.Foto: WDR/Berlin Producers

Ein Militärflieger, eine fallende Bombe, verwackelte Bilder, eine Stimme ruft „Allahu akbar“, kurz darauf Trümmer und Rauchwolken über einer syrischen Stadt. Ein Handyvideo, Start des ungewöhnlichen Dokumentarfilms „My Escape/Meine Flucht“ von Elke Sasse, der anhand selbst gedrehter Clips die Geschichte von Flüchtlingen auf dem Weg von Syrien oder auch Eritrea nach Europa erzählt.

Überfüllte Busse, stundenlange Wanderungen durch die Wüste, notdürftig zusammengeflickte Boote, Blicke aus Zügen, Hungern in einem Flüchtlingslager, das Netzwerk der Schleuser – man glaubt ja, in „Tagesschau“ oder „heute-journal“ schon alles zum Elend der Flüchtlinge gesehen zu haben. Hat man nicht.

Ein Leben in Transit. Dazu gehört auch, dass die SD-Karte und der Akku im Smartphone fit sind. Bei der derzeitigen Migrationsbewegung mit Millionen von Menschen von einem Kontinent auf den anderen sind Handys das wichtigste Kommunikationsmittel. Mit ihnen organisieren Menschen ihre Flucht, dokumentieren ihr Schicksal, sagen auch die Produzenten des Films, Deutsche Welle, WDR und Berlin Producers. „Gleichzeitig transportieren sie damit Erinnerungen an das Zurückgelassene.“ Die Aufnahmen bleiben nicht unkommentiert, die Flüchtlinge äußern sich dazu auch in Interviews. Was haben sie mitgenommen? Was haben sie zurückgelassen? Wonach sehnen sie sich? Was vermissen sie am meisten? Würden sie die Flucht noch einmal wagen?

Das Material zum 90 Minuten langen Film sammelten die Produzenten in sozialen Medien wie Youtube. Nach eigenen Angaben gingen sie auch direkt in Flüchtlingsunterkünfte, um nach Material zu fragen. „Wir wollen ein Verständnis vermitteln und eine Empathie erzeugen für das, was die Menschen auf der Flucht erlebt haben“, sagt Jutta Krug, die beim WDR für Dokumentarfilme zuständig ist. Eine größere Nähe und Authentizität ist kaum zu erreichen. Filme auf Basis von Handyvideos sind kein Neuland mehr. Der Kinofilm „Life in a Day“ dokumentiert mithilfe von Youtube-Clips, was weltweit an einem einzigen Tag passierte. In dem Fall ist das der 24. Juli 2010. Aktueller ist „Alaaf You“, der den Karneval in Köln mit solchen Videos zeigt.

Ein wichtiger Film zur richtigen Zeit

Bei „My Escape / Meine Flucht“ fühlt sich der Zuschauer aufgrund der Perspektive tatsächlich so, als sei er selbst bei der Flucht mit dabei. Sogar die Verhandlungen mit den Schleusern sind dokumentiert, mit im Ärmel versteckten Handys unter Lebensgefahr verfilmt. Ein wichtiger Film zur richtigen Zeit. Wie kommentiert ein Flüchtling diese Bilder: „Diese Videos sagen alles. Da braucht man nicht viel zu erzählen.“ Markus Ehrenberg

„My Escape / Meine Flucht“, WDR, Mittwoch, 22 Uhr 55

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