Medien : „WDR überprüfen“

Ex-SFB-Intendant von Lojewski über Stasi, Wallraff und RBB

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GÜNTHER VON LOJEWSKI, 68, war von 1989 bis 1997 Intendant des Senders Freies Berlin.Der Fernsehjournalist gehört dem Direktorium des JournalistenKollegs an der FU Berlin an. Foto: dpa

Herr von Lojewski, finden Sie die Entscheidung zur Stasi-Überprüfung im Rundfunk Berlin-Brandenburg richtig?

Ja, es gehört zur politischen Hygiene in einem Haus, dass an allen Arbeitsplätzen dieselben Regeln gelten. Wenn ein publizistisches Institut noch ein Rest von moralischer Anstalt sein will, muss es das auch selbst realisieren. Allerdings gehört zur Gleichbehandlung dann auch, dass alle Mitarbeiter des RBB neu überprüft werden, wenn neue Akten wie jetzt die Rosenholz-Akten auftauchen. Die Stasi-Überprüfung muss für die Mitarbeiter des ehemaligen Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg wie für das Personal des früheren Senders Freies Berlin gleichermaßen gelten.

Mit den Rosenholz-Akten werden offenbar die West-Mitarbeiter der Stasi sichtbar. Deren Aktionsfeld war ja nicht auf West-Berlin beschränkt. Sollten alle Sender der ARD überprüft werden?

Wenn die Rosenholz-Akten beispielsweise aufdecken, dass Günter Wallraff wieder stark als Stasi-IM verdächtigt wird, so beweist das die Notwendigkeit einer Überprüfung auch für den Westdeutschen Rundfunk. Wallraff ist vom WDR mehr beschäftigt worden als von jeder anderen ARD-Anstalt, mehr als vom ZDF oder vom SFB. Ich vermute, dass Herr Wallraff sogar eine Pension von der ARD bekommt als freier Mitarbeiter …

… vermuten Sie das oder wissen Sie das?

Ich gehe davon aus. Wenn der ARD-Mitarbeiter Wallraff für die Stasi gearbeitet haben soll, dann macht allein schon dieser eine Fall deutlich, dass die gesamten ARD-Anstalten überprüft werden müssen. Mit einer Sonderregelung für den alten SFB kommt man überhaupt nicht aus.

Nun verweist WDR-Intendant Fritz Pleitgen auf das beinahe fertige Gutachten, das für die ARD im Sonderforschungsbereich SED-Staat der FU Berlin erstellt wird und das Verhältnis ARD/Stasi beschreiben wird. Reicht das?

Das wird nicht reichen, weil die Rosenholz-Akten nicht einbezogen werden konnten.

Die Fragen stellte Joachim Huber.

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