Wechsel an der Spitze : Frauentausch

Bascha Mika verlässt die „taz“ nach 21 Jahren. Ines Pohl folgt ihr als Chefredakteurin.

Sonja Pohlmann
Bascha Mika
Bascha Mika. -Foto: dpa

Bisher gab’s zum 30-jährigen Jubiläum für die „tageszeitung“ ein neues Layout, eine neue Sonntagsbeilage – und jetzt auch eine neue Chefredakteurin: Bascha Mika, 55, wird das linksalternative Blatt nach 21 Jahren, davon elf Jahre an der Spitze, verlassen. Nachfolgen wird ihr Ines Pohl, 42, bisher Hauptstadt-Korrespondentin der zur Mediengruppe Ippen gehörenden „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen“ (HNA), wo sie zuvor auch das Ressort Politik leitete.

„Schon seit Mai letzten Jahres überlege ich, die ,taz‘ zu verlassen“, sagte Mika. Maximal zehn Jahre hatte sie ursprünglich Chefredakteurin bleiben wollen. „Wegen der Blattreform und des Jubiläums sind es jetzt eben elf geworden.“ Bis heute ist Bascha Mika – und auch ihre Nachfolgerin – die einzige Chefredakteurin an der Spitze einer überregionalen Tageszeitung. Mit Mikas Weggang geht eine Ära zu Ende, sagte „taz“-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch: „Niemand hat das dritte Jahrzehnt der Zeitung mehr geprägt als sie.“

Als Bascha Mika 1998 in die Führungsetage der „taz“ wechselte, übernahm sie ein turbulentes Haus. 13 Chefredakteure hatte es in den acht Jahren zuvor gegeben – mit Bascha Mika kehrte Kontinuität ein. Die Journalistin, die als Zehnjährige Nonne werden wollte, dann eine Banklehre machte und nach dem Studium der Afrikanistik, Germanistik, Philosophie und Ethnologie begann, als Redakteurin und Reporterin für die „taz“ und den SFB zu arbeiten, brachte die Zeitung 2000 durch eine schwere Krise. Das selbstverwaltete Blatt, das durch eine Genossenschaft getragen wird, stand kurz vorm Ruin. „Heute geht es der Zeitung so gut, dass ich mich mit gutem Gewissen verabschieden kann“, sagte Mika. Mit knapp 56 000 verkauften Exemplaren habe die „taz“ die höchste Auflage seit fünf Jahren. Durch den Relaunch zum Geburtstag im April sei eine Steigerung von 3000 Stück erzielt worden. Auch finanziell gehe es dem Blatt trotz Krise gut. Trotzdem war Bascha Mika in den vergangenen Monaten als Chefredakteurin nicht unumstritten. Zu Weihnachten sei bereits mit ihrem Rückzug gerechnet worden, heißt es im Haus. Sie habe das Blatt nach außen gut repräsentiert, das Tagesgeschäft aber anderen überlassen, berichten Redaktionsmitglieder. Zudem habe es Streit über die „sonntaz“ gegeben, die nicht so umfangreich, wie ursprünglich vorgesehen, startete. Während die Nachricht über Mikas Abgang in der Redaktion deshalb relativ gleichgültig aufgenommen worden sein soll, habe der Name der Nachfolgerin überrascht. Kaum jemand habe Ines Pohl gekannt. Dass mit ihr eine externe Kandidatin an die Spitze des Blattes rückt, wird von einigen Mitarbeitern als positiv bewertet. Sie könne neue Ideen in die chronisch unterfinanzierte Zeitung bringen. „Ich will das Profil der ,taz‘ schärfen, ihre inhaltliche Relevanz ausbauen“, sagte Ines Pohl.

Derweil will sich Bascha Mika nicht zur Ruhe setzen. Mitte Juli ist ihr letzter Tag bei der „taz“. Danach macht sie Urlaub in Finnland, „wo ich nach dem Abschied sicher auch viel Trauerarbeit leisten muss“, so Bascha Mika. Welche Pläne sie anschließend hat, wollte sie am Donnerstag nicht verraten. Vermutlich wird sie weiterhin als Journalistin und Buchautorin arbeiten. Zum benachbarten Axel Springer Verlag wechselt sie aber kaum. „Obwohl ich die ,Bild‘ gerne mal für einen Tag leiten würde.“ Sonja Pohlmann

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