Wegen „umstürzlerischer“ Artikel : Tansania: Kritische Zeitungen müssen für Monate schließen

Eigentlich gilt Tansania als relativ demokratisch. Doch Journalisten geraten in dem Land zunehmend unter Druck.

Die tansanische Regierung hat das Erscheinen der beiden Zeitungen „Mwananchi“ und „Mtanzania“ vorübergehend untersagt. Wie die kenianische Tageszeitung „Daily Nation“ am Montag berichtete, begründete die Regierung das Verbot mit „aufrührerischen Artikeln“, die in den Blättern erschienen seien. „Mwananchi“ darf zwei Wochen lang, „Mtanzania“ drei Monate lang nicht erscheinen.

Die Zeitung „Mwanachi“, die zum selben Verlag gehört wie die kenianische „Daily Nation“, publizierte im Juli einen Artikel über die neuen Strukturen von Regierungsgehältern. Auch einen zweiten Artikel über Muslime, die unter schweren Sicherheitsbedingungen beten müssten, bezeichnete die Informationsabteilung der tansanischen Regierung als „umstürzlerisch“. Das vorübergehende Verbot der Zeitung „Mtanzania“ erklärte der Direktor der Informationsabteilung, Assa Mwembene, mit zwei regierungskritischen Artikeln.

Journalisten werden immer wieder bedroht und eingeschüchtert

Tansania gilt unter Präsident Jakaya Kikwete als relativ demokratisches Land. Im Ranking der Journalistenorganisation „Reporter ohne Grenzen“ fiel es aber im jüngsten Bericht über die Pressefreiheit um 36 Plätze auf Rang 70 von 179 Staaten zurück. Als Grund nannte die Organisation unter anderem die Tatsache, dass 2013 ein Journalist getötet wurde, während er von einer Demonstration berichtete. Ein weiterer wurde ermordet. Auch nach Angaben lokaler Medienorganisationen werden Journalisten immer wieder eingeschüchtert, mit dem Tod bedroht und getötet.

Der Herausgeber der Zeitung „Mtanzania“ (Der Tansanier), Absalom Kibanda, wurde Anfang März vor seinem Haus angegriffen und am Kopf schwer verletzt. Kibanda ist zugleich Vorsitzender des Forums tansanischer Herausgeber. epd

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