Medien : „Wehmut ist ganz normal“

Der MDR blickt allerdings bereits nach vorn – auf das neue Duo Thomalla/Wuttke

Frau Brandt, nach 45 „Tatorten“ ist Schluss mit dem Duo Sodann/Lade. Warum hat es nicht mehr bis zum 50. gereicht?

Weil uns Peter Sodann schon 2002 gesagt hat, dass er mit siebzig Jahren nicht mehr „als Kommissar durch die Gegend turnen“ wolle. Wir haben diesen Wunsch respektiert und uns dann gemeinsam überlegt, wie man einen würdevollen Schlusspunkt und Abschied filmisch hinbekommen könnte. Das Ergebnis können Sie am Sonntagabend sehen.

Hatte das Duo Sodann/Lade nichts mehr zu erzählen?

Das würde ich so nicht sagen. Wahrscheinlich hätte man noch einige Zeit weiter machen können wie bisher.

Unser Eindruck ist, dass man Peter Sodann durchaus dazu hätte überreden können weiter zu machen.

Herr Sodann, Herr Lade und wir vom MDR haben uns in die Augen geblickt und sind gemeinsam übereingekommen, es gut sein zu lassen. Der Zuschauer soll sagen, schade, dass die beiden gehen. Aber er soll sich auch freuen, dass danach etwas Neues kommt.

Herr Sodann hat sich in der „SuperIIlu“ darüber ausgeweint, dass er doch so gern noch weiter gemacht hätte.

Wie gesagt, es gab Absprachen und Vereinbarungen von beiden Seiten und das schon seit langem. Und ist es nicht etwas ganz Normales, dass bei Herrn Sodann, den ich als Schauspieler sehr schätze, ein bisschen Wehmut aufkommt nach all den Jahren beim „Tatort“? Außerdem ist es kein Geheimnis, dass der MDR weiter mit Herrn Sodann arbeitet, unter anderem beim neuen „Schloss Einstein“. Nur mit dem Kommissar Ehrlicher ist Schluss.

Der Ehrlicher des Sodann war ein echter Ostler. Ist jetzt Schluss mit Osten im „Tatort“ des MDR? Haben Sie keine Angst, dass Ihnen die Zuschauer weglaufen?

Dann müssten ja alle Sender, die neue Kommissarfiguren entwickeln, starr vor Angst sein. Dann könnte man nie etwas Neues machen, nur weil das Alte erfolgreich war. Wir werden uns bemühen, auch mit dem neuen Ermittlerduo Identifikationsmöglichkeiten zu schaffen. Auch der neue „Tatort“ wird eine Farbe haben, die ihn als MDR-Produktion von allem anderen abheben wird.

Wie östlich wird das neue Team mit Simone Thomalla und Martin Wuttke sein?

Es ist doch ganz klar, dass Peter Sodann eine andere Biographie hat als ein heute Vierzigjähriger, bei dem sich kaum die Frage stellt, wie östlich oder westlich er überhaupt noch ist. Ich glaube, dass die Frage nach Ost und West nicht mehr diese Bedeutung hat, die sie in den Jahren nach der Wende gehabt hat.

Der erste „Fall für Ehrlicher“ 1992 hatte 12,9 Millionen Zuschauer. Heute liegt der „Tatort“ im Schnitt bei sieben Millionen. Was ist da passiert?

Ich finde, dass der „Tatort“ eine einzigartige Erfolgsgeschichte ist. Und das trotz der zunehmenden Konkurrenz.

Verraten Sie uns, wer die Idee zu Ihrem neuen Duo hatte?

Es gab ein Team aus Redaktion und Produktion, das sich zusammengesetzt und beratschlagt hat, wie ein neuer „Tatort“ aussehen könnte. Danach haben Autoren versucht, aus den vielen guten Ideen ein tragfähiges Konzept zu erstellen.

Haben Sie die Marktforschung bemüht?

Nein. Aber natürlich haben wir die Fernsehlandschaft beobachtet, in der es viele neue Kommissare gibt und auch noch geben wird. Wir bemühen uns, mit dem Leipziger „Tatort“ unverwechselbar zu sein.

Warum verraten Sie uns eigentlich so rein gar nichts über Ihren neuen „Tatort“?

Weil wir der Meinung sind, dass der letzte Tatort des Duos Sodann/Lade nicht überschattet werden soll von Vergleichen. Die Aufmerksamkeit soll ganz den beiden Hauptdarstellern und ihrem Team gehört.

Das Interview führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

Jana Brandt,

leitet den

Programmbereich Fernsehfilm, Serie und Kinder beim MDR.

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