Medien : WEINE DES MONATS

Peter scheib

GRIECHENLAND/PELOPONNES

Bodenständiger Roter vom demokratischen Winzer

Muss man es den Berliner Weinfreunden noch sagen? Die Stadt ist der Stützpunkt eines Händlers, der praktisch im Alleingang den Ruf des griechischen Weins in Deutschland gerettet hat, unbeeindruckt davon, dass seine Landsleute in ihren hiesigen Lokalen die Gäste immer noch mit Gesöff aus der Zweiliterflasche flachlegen. Christos Tziolis („Cava“) legt seine Maßstäbe so hoch, dass er seit einiger Zeit zum elitären „Weinbund Berlin“ gehört, und die ersten gemeinsam vermarkteten Weine der neun Händler kamen aus seinem Heimatland. Die Olympischen Spiele legen es ohnehin nahe, einen bis zum Finale reichenden Vorrat bei ihm anzuschaffen, und dazu käme ein Rotwein aus der nur in Griechenland hemischen Agiorgitiko-Traube infrage, die auf der Peloponnes wächst, nicht allzu weit entfernt von den historischen Orten Olympias.

Meist wird dieser Wein unter der Herkunftsbezeichnung Nemea vermarktet, doch auch außerhalb dieser Region gibt es ähnliche Qualitäten. Evangelos Averoff, in den achtziger Jahren prominenter Politiker und Chef der Oppositionspartei Nea Demokratia, baut in seinem Wohnort Metsovonebenher seit über 40 Jahren Reben an. Mit Weinen aus den internationalen Reben Cabernet Sauvignon und Merlot hat er die Weinwelt wiederholt überrascht. Doch er kümmert sich auch um die bodenständigen Reben und hat sich für den 2003 Frésco Averoff Agiorgitiko mit dem großen und international renommierten Haus Strofilia zusammengetan. Das Ergebnis ein sehr fruchtiger Roter ohne störende Gerbstoffe, der nach Kirschen und dunklen Beeren duftet, frisch und sofort mit Genuss getrunken werden kann, weil er keine störenden Gerbstoffe enthält. Ein Beleg dafür, dass das Jahr 2003 nach dem Katastrophenjahrgang davor den Ruf des griechischen Wetters voll rehabilitiert hat. Sollte es bei den Spielen ebenso heiß zugehen, darf dieser Wein gern ein wenig gekühlt werden. Die Flasche kostet 5,90€ bei Cava in der Schustehrusstraße 20 in Charlottenburg.

SPANIEN/RUEDA

Weiße Qualität durch Einsatz moderner Technik

Die alte spanische Weißweinsorte Verdejo ist kapriziös und anspruchsvoll. Sie gilt als unbeständig und problematisch in der Verarbeitung, liefert geringe Erträge und war deshalb im letzten Jahrhundert schon fast verdrängt. Erst die Experten des Großerzeugers Marques de Riscal fanden ihr Potenzial gegen Ende der 70er Jahre heraus. Wenn es nämlich gelingt, den Most auf dem Weg zur Weiterverarbeitung nicht oxidieren zu lassen, bringt die Verdejo hochwertige, lagerfähige Qualitätsweine mit angenehm frischer Säure.

Die von Riscal eingeführte Methode, den Sauerstoff mit Hilfe eines Schutzgaspolsters zu verdrängen, wird heute allgemein angewendet – so auch von Pedro Escudero, der auf seinen 32 Hektar Rebfläche in der kastilischen Region Rueda ausschließlich Verdejo anbaut. Überdies lässt er die Trauben nur nachts lesen, um ihnen jede überflüssige Erwärmung zu ersparen, und er arbeitet ausschließlich mit organischem Dünger und ohne Spritzmittel.

Lohn der ökologischen Mühe ist ein opulenter, aber nicht breiter Weißer wie der 2003 Fuente Elvira mit schöner Frucht und gut eingebundener Fruchtsäure, der das für die Verdejo-Rebe typische Bukett von schwarzen Johannisbeeren, exotischen Früchten und Gewürzen, Blüten und Gras exemplarisch vorführt. Die Flasche kostet günstige 6,90 € im Weinkontor Steglitz , Deitmerstr.9, sowie in den drei Geschäften von Cavatappi am Maybachufer 10 und der Körtestr. 28 in Kreuzberg sowie in der Görresstr.1 am Friedrich-Wilhelm-Platz in Friedenau.

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