Medien : Weise im Nichts

Thomas Eckert

Die Herren hatten sich verkleidet. Aus drei Türen traten sie als die drei Weisen aus dem Morgenland vor das Publikum: um zu verkünden. Dass wir in Deutschland arm dran seien und die Politik und überhaupt. Nun wollen es die Gesetze des Kabaretts, dass es ohne Überraschung nicht so recht geht. Aber die Weisen aus dem Abendland waren mit ihrem Latein schneller am Ende, als es der abwesende Großmeister je zugelassen hätte. So mancher Abgang durch die Hintertür endete ohne Pointe. Hatten sich die Kabarettisten um Bruno Jonas vielleicht dazu entschlossen, bei ihrem ersten Auftritt ohne Dieter Hildebrandt zu testen, wie weit ihnen das Publikum auf ihrem Weg in das Nichts zu folgen bereit sein würde? Sie mühten sich wirklich, und sie versuchten, ihren Text aufzusagen, ohne sich zu verhaspeln – selbst das wollte nicht recht gelingen. Da konnte auch Frank Lüdecke als profaner Vierter im Bunde nicht mehr viel retten. Er gab zwar alles, um wenigstens einen Hauch guten, alten Politkabaretts auf die Bühne zu bringen. Aber seine durchaus hübschen Pointen verglühten in der frostigen Atmosphäre, ehe sie ein Lichtlein hätten entzünden können.

Das Publikum applaudierte, aber es amüsierte sich nicht. Vielleicht saß es auch nur schlecht auf den alten Stühlen. Und zu trinken gab es auch nichts. Anstandsapplaus für eine kopflose alte Dame, die sich die falschen Kleider zum falschen Fest ausgesucht hatte. Es geht also doch: baden gehen, ohne sich nass zu machen.

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