Medien : Weiß, weit, wild

ZDF-Reporter Kröger reist durch Kanadas Norden

Thomas Gehringer

Weiß und unschuldig liegen sie auf dem Eis, die wehrlosen Robbenbabys. Allenfalls der Kabeljau, der sich später zwischen ihren Zähnen wiederfindet, sieht das wahrscheinlich anders. Bei Fernsehzuschauern dagegen wecken die knopfäugigen Heuler spontane Zuneigung. Insofern geht Uwe Kröger auf Nummer sicher, wenn er dem Publikum zu Beginn seiner zweiteiligen ZDF-Reportage „Abenteuer Weiße Wildnis“ erst einmal mit Robbenbabys kommt.

Knapp zehn Wochen war der New-York-Korrespondent im Norden Kanadas unterwegs. Er fuhr zur nördlichsten Wetterstation der Welt in Eureka, traf kernige Ranger mit festgefrorenen Schnurrbärten und einen beinamputierten Schlittenhunde-Narr aus Deutschland, wagte sich über die Eisstraße zu den Diamantenminen. „Ich empfand diese Reise als Äquivalent für die goldene Uhr, die große Unternehmen ihren langjährigen Mitarbeitern schenken“, sagt Uwe Kröger schmunzelnd. Drei Jahrzehnte war er fürs ZDF unterwegs, hat schon vom Vietnamkrieg berichtet und auf seinen Korrespondenten-Stationen den Watergate-Skandal in Washington, den Anti-Apartheidskampf in Südafrika, das Taliban-Regime sowie den Antiterror-Krieg in Afghanistan hautnah erlebt. Seine unverwechselbare und immer noch offensiv geschwungene Haartolle über der Stirn ist ein wenig grau geworden, sein Stil unprätentiös geblieben. Wenn so einer von seinem Sender beschenkt wird, hat auch das Publikum etwas davon. Die atemberaubende arktische Landschaft – „die Leere, die Kälte, die Ur-Weite“ – hat den 61-jährigen Kröger begeistert, das sieht man dem Film an.

Kröger wollte jedoch seinen Film in der guten Tradition der Reisereportage „auch ein bisschen mit Relevanz ausstatten“. Bei seinen Begegnungen in der Arktis spielte das Thema Erderwärmung beinahe zwangsläufig eine Rolle, denn für die wenigen Menschen dort gehört das Phänomen längst zum Alltag. „Die Leute leben dort seit Jahren mit dieser Erkenntnis. Das ist denen sehr bewusst“, sagt Kröger. Das Eis schmilzt. Und weil der Frost nach dem Sommer länger auf sich warten lässt als früher, statten hungrige junge Eisbären auf Nahrungssuche dem kleinen Ort Churchill an der Hudson Bay zunehmend Besuche ab. Das alles wirkt noch recht exotisch, aber schon bald könnte die an Bodenschätzen (Öl, Diamanten, Gold) reiche Eis-Wüste stärker in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Denn die Erderwärmung mag eine globale Katastrophe sein, in der Arktis könnte sie zu einem lohnenden Geschäft werden, für einige wenigstens: Die NordWest-Passage, eine enorme Abkürzung für den Schiffsverkehr zwischen Europa und Asien, wird zunehmend eisfrei. Und die Arktis „wird vermutlich eine Inselwelt“, sagt Kröger.

„Abenteuer Weiße Wildnis“, ZDF, am 28. und 30. Dezember, 21 Uhr

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