Medien : Weisses Rauschen: Blondinen bevorzugt

Matthias Kalle

Es war die zweite Nacht mit dem ZDF und man hätte niemals gedacht, dass einem Waldemar Hartmann, Gerd Rubenbauer und Gerhard Delling so schnell fehlen könnten. Woran liegt das? Sport ist schließlich Sport, die Bilder aus Salt Lake City sind die gleichen, der Schnee in Soldier Hollow derselbe. Vielleicht liegt es ja an der Haarfarbe.

Wie bitte? Ja, natürlich, da könnte etwas dran sein. Die Spitzenkräfte der ARD haben allesamt schwarze Haare - sogar Cher, die den offiziellen ARD-Olympia-Song "Alive Again" singt. Und beim ZDF tummeln sich die Blonden: Steinbrecher, Wolf-Dieter Poschmann und, natürlich, Anastacia, die das ZDF-Lied "A Day In Your Life" zum Besten gibt. Auch bei den Experten wurde anscheinend wert auf die Kompatibilität der Haarfarben gelegt: Franziska Schenk, für die ARD überall, wo Eisflächen sind, ist schwarzhaarig, Gunda Niemann-Stirnemann, ihr ZDF- Pendant, ist blond. Und die hat vorgestern alles für die Renaissance des Blondinenwitzes getan. In ihren "Expertenanalysen" (wobei sie nur das erzählte, was eh jeder sehen konnte: "Der war wirklich schnell unterwegs") bewies sie Mut zur ungewöhnlichen Aussprache: Das g wird bei der Frau zum k, für die Eisschnellläufer ist es schwierig "krade bei diesen Keschwindikkeiten", trotzdem zeigten manche eine "krandiose Leistunk".

Zurück im Studio steht dann die Blondine Michael Steinbrecher, er scheint leicht genervt und gibt sich dominant: "Jetzt schauen wir alle mal hier hin", sagt er in die Kamera. Um 22 Uhr übernimmt dann Poschmann (blond), offensichtlich besser gelaunt, nein, unfassbar gut gelaunt, denn Poschmann flirtet mit allem, was sich nicht in die Berge flüchten kann. Mit der Mitarbeiterin (blond), die stündlich die olympischen Nachrichten vorliest, mit der Reporterin (blond), die an der Rodelbahn steht und mit einem Altmänneraugenzwinkern sagt Poschi, das sei ja alles "nur platonisch". Donnerwetter!

Und witzig sind die Blonden auch: Als ein Japaner beim einem Sprung in der Buckelpiste stürzte, sagt Wolf-Dieter Poschmann: "Sushi-Roll." Hallo? Herr Poschmann? Wir dachten, in Utah ist es nicht mitten in der Nacht.

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