Weißkittel-Film : Ist was, Doc?

Dominic Raacke wechselt das Fach und kommt in einem Arzt-Zweiteiler Christiane Paul näher.

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Herz und Lunge ok. Dr. Schöner (Christiane Paul) und Dr. Wunderlich (Dominic Raacke) im fachlichen Gespräch. Foto: ZDF Foto: Sandor Domonkos
Herz und Lunge ok. Dr. Schöner (Christiane Paul) und Dr. Wunderlich (Dominic Raacke) im fachlichen Gespräch. Foto: ZDFFoto: Sandor Domonkos

Es funkt zunächst über der Currywurst. Ein Zufallstreffen in der Kneipe: Wie soll die gerade aus China heimgekehrte Ärztin Dr. Sophie Schöner (Christiane Paul) auch wissen, dass der charmante Barmann in Wirklichkeit Dr. Hans Wunderlich (Dominic Raacke) ist, Starchirurg der Klinik, bei der sie sich gerade vorstellt? Und er: Kommt er darauf, dass die hübsche, selbstbewusste junge Frau mit Flatterschal bald seine ärgste Konkurrentin sein wird? Friedlich teilen sie sich eine Currywurst. So viel Eintracht gibt’s nie wieder. Funken dafür umso mehr.

Mediziner: ein Lieblingsthema für Fernsehsoaps. Nirgendwo wird so schön intrigiert und spioniert, so heiß geliebt und gehasst wie unter den Göttern in Weiß. Krankenhausserien von „ER“ bis zur „Schwarzwaldklinik“ haben bewiesen: Wo die Hierarchien noch stimmen zwischen Chefarzt, Oberarzt und Assistent, zwischen Krankenschwester und Krankenpfleger, gedeiht genug Emotion, um auch monate- und jahrelang zu senden.

So gesehen ist der ZDF-Zweiteiler „Der Doc und die Hexe“ geradezu erstaunlich und bedauerlich kurz, und das, obwohl es Verwicklungen, Intrigen und dramatische Krankheitsfälle ohne Ende gibt und man dem bestens motivierten Hauptdarstellerpaar mit Vergnügen noch weitere Folgen zugesehen hätte. Auch die Nebendarsteller sind mit Katrin Sass als intriganter Mutter, Esther Schweins als betrogener, leidender Ehefrau und Wotan Wilke Möhring als aufstrebendem Oberarzt feinstens besetzt und mit Lust und Schwung bei der Sache. Doch Dr. Schöner und Dr. Wu müssen leider schon nach zweimal neunzig Minuten zueinander finden. Da hilft am Ende manchmal eben nur die Brechstange durch die Wand.

Vivian Naefes Fernsehfilm greift sich einen aktuellen Konflikt, den Konflikt zwischen Schulmedizin und Alternativmethoden – und bedient sich beliebter und erprobter Mittel. Eine Screwball-Comedy vom Feinsten ist die Auseinandersetzung zwischen dem Präzisions-Chirurgen und der Vertreterin der TCM, der Traditionellen Chinesischen Medizin, mit geschliffenen scharfen Dialogen (Drehbuch: Gerlinde Wolf, nach einer Idee von Gabriela Sperl) und jeder Menge Tempo. Und es hilft bestimmt, dass Christiane Paul selbst über medizinische Erfahrungen verfügt: Ihre Ärztin Dr. Sophie Schöner ist ein Puck, ein Kobold, flink und frech und doch immer wieder auch von heftigen Berufszweifeln geplagt. Und auch die schöne, glatte Fassade ihres erfolgsverwöhnten Kontrahenten Dr. Wu bröselt immer mehr und gibt einen überforderten Vater, Ehemann und Chefarzt preis, der erst nach einer Amnesie sein wahres, goldenes Herz enthüllt.

Das Setting ist klassisch, und für Berlin-Kenner teilweise geografisch etwas sehr frei geschnitten. Doch die Fälle, um die sich der „Doc“ und die „Hexe“ streiten, sind durchaus drastisch und bedrohlich, die Operationsszenen nichts für schwache Nerven. Keine Angst auch vor Vorurteilen gegenüber der Homöopathie: Es wird genadelt und Tränke angerührt ohne Ende. Und natürlich geht es bei der Behandlung am Ende doch immer darum, wer mehr Mitgefühl für den Patienten hat. Und der schönste Erfolg ist Vertrauen, nicht Heilung. Das gilt auch für die Protagonisten. Denn egal, ob es die eigene Wohnung ist, die die Mutter heimlich umgeräumt hat, oder eine Praxis, die die Ehefrau verplant: In Sophie Schöner und Hans Wunderlich treffen sich zwei Heimatlose, die erst mühsam wieder in ihrem Leben ankommen. Darauf eine Currywurst. Christina Tilmann

„Der Doc und die Hexe“, ZDF, Teil 1: Montag, 20 Uhr 15, Teil 2: Mittwoch, 20 Uhr 15

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