Medien : Weißt du noch? Gottschalk und seine Freunde

Barbara Sichtermann

„Was auch viele nicht wissen: Ich war Nachrichtensprecher…“ Und dann kommt eine Probe aus den tiefen Siebzigern, Gottschalk damals noch mit gebändigtem Schopf, aber sonst durchaus zu erkennen. Das Publikum von „Gottschalk & Friends“ freut sich. Das „Weißt-du- noch“-Feeling ist da. Mike Krüger ist auch anwesend, als Weggefährte und Supernase, und beide sinnieren, wie doch die Zeit vergeht. Sind wir eigentlich gleich alt?, will Thommy wissen. So gut wie, meint Mike, er, Gottschalk habe zwei Jährchen mehr auf dem Buckel. „Ich bin den kleinen Tick älter, den du älter aussiehst“, flachst Thommy und kommt auf die gemeinsamen Filme zu sprechen. Die seien immer noch in. Er treffe heute junge Menschen, die sie gesehen hätten.

Wenn Fernsehstars sich selbst im Fernsehen wiederholen, mit Einspielern aus früheren Zeiten, mit Jugendsünden und Überraschungsgästen, dann klappt das nur, wenn die Stimmung stimmt. Gottschalks Night-Show mit Nena, den Gefährten aus der „Formel 1“ und, als Stargast, Robin Gibb, litt unter seiner eigenen Fahrigkeit. Als Showmaster hat er bei „Wetten, dass..?“ und all den Giga-Galas, durch die Gottschalk führte, gelernt, ein Dutzend Weltstars und Artisten, ausgefallene Kunststücke und lebende Tiere, Sportasse, Klassemusiker und einen hochkomplizierten technischen Apparat spielerisch zu integrieren und war wohl jetzt in der roten Sitzecke mit bloß 55 Minuten und abzählbaren Gästen unterfordert. Und dann passierte es ihm, dass er Nena an ihren Erfolg bei „Wetten, dass..?“" erinnerte, die Sängerin aber glaubhaft versichern konnte, nie in diese Show eingeladen worden zu sein. Also, das konnte Thommy überhaupt nicht fassen. Sie: „Nee.“ Er: „Doch.“ Aber sie hatte Recht.

In einem Interview hat Gottschalk erklärt, dass der Leitsatz von Kuli: „Willst du was gelten, mach dich selten“, heute nicht mehr brauchbar sei, dass man dauernd präsent sein müsse, um vom Publikum nicht vergessen zu werden. Das könnte eine optische Täuschung sein. Nur weil Gottschalk überall, wo er auftaucht, ein Publikum hat, heißt das noch lange nicht, dass das Publikum ihn überall haben will. Und dass es sich nicht an ihn erinnert, wenn es ihn eine Weile nicht gesehen hat. Das Gedächtnis des Publikums ist ziemlich gut, mit Sicherheit besser als Gottschalks.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben