Medien : Weltjugendtag? Geschenkt!

Eine Gratis-Zeitung und ein Radio berichten eigens vom Kölner Großereignis

Deike Diening[Köln]

Auch die, die viele sind, wollen immer wissen, wo die anderen sind. Und wie man hinkommt. Und wen man anruft im Falle der Not. Deshalb brauchen die insgesamt 800000 Besucher des Weltjugendtages aus aller Welt auch eine eigene Zeitung. Mindestens zweisprachig. Dachte sich der Verlag M. DuMont Schauberg.

Fast 7000 Journalisten sind zum Weltjugendtag in Köln in Stellung gebracht, sie haben einen riesigen, medialen Resonanzraum geschaffen, der jedes Flüstern in die Welt überträgt. Und weil in einer Welle der Hilfsbereitschaft in Köln gerade jeder anbietet, was er am besten zu können glaubt, schenkt der Verlag M. DuMont Schauberg jetzt den Pilgern eine Zeitung. 400000 Exemplare am Tag, täglich und noch bis einschließlich Samstag. 50 Redakteure, Volontäre und Übersetzer des „Kölner Stadt-Anzeigers“ haben dort unter der Leitung des stellvertretenden Chefredakteurs Joachim Frank ein Heimspiel. Und während andere ihre Schulen oder Turnhallen in Schlafsäle umwandeln, ernennt die Zeitung ihr Tabloid-Format „Direkt“ kurzerhand zur „Weltjugendtagszeitung“: Das 48-Seiten-Heft, das sonst 50 Cent kostet, wird in Bonn, Köln, Neuss, Düsseldorf und Wuppertal an die Pilger verteilt und bei den Zeitungshändlern ausgegeben. Man bekommt es an den Infopoints vor dem Kölner Dom und am Wochenende auch auf dem Marienfeld.

Und was steht drin? Fast wortgleich die Artikel, die im Lokalteil des „Kölner Stadt-Anzeigers“ stehen, einmal auf Deutsch, einmal auf Englisch. Die jugendlichen Pilger begegnen sich selbst in Form einer Nachricht. Die „Pennys“ und „Minimals“ dieser Welt schalten ihre Anzeigen mit den Weltjugendtagsangeboten und geistlichen Wortspielen. Die Serviceseiten mit den kurzfristigen Programmänderungen und der tröstlichen Aussicht, dass der Sommer zurückkommt, verantwortet die Kommunikationsabteilung des Weltjugendtagsbüros.

Nach knapp der Hälfte der 48 Seiten bricht allerdings die normale Welt wieder ein, da kommen die Nachrichten des Tages, der Gazastreifen, und die Sauna- Weltmeisterschaft in Finnland.

Wer die Informationen lieber gleich in der Hosentasche hat, kann sie sich aufs Handy schicken lassen: das kürzeste Abonnement des „Kölner Stadtanzeiger“ist ein SMS-Service, der den Charakter des Abonnenten verrät: Er ist gegliedert nach Nachrichten über den Verkehr (wjtnews), den Papst (wjtpapst) und die Partys (wjtparty). 39 Cent pro SMS, bis zu fünf SMS täglich.

Die eigens eingerichtete Veranstaltungsfrequenz UKW 101,7 sendet zwei Wochen lang nur Weltjugendtagsradio, produziert von den Radiowerkstätten des Erzbistums Köln. Am sichersten ist der kirchliche Haussender innerhalb des Kölner Autobahnrings zu empfangen.

So weit zur Massenkommunikation. Aber damit auch die kostenpflichtige Kommunikation zwischen den Pilgern selbst funktioniert, haben Vodafone, T-Mobile und O2 gemeinsam um das Marienfeld an 13 Holzmasten Antennen aufgehängt. Zehn Kilometer Glas- und Kupferkabel haben sie in den Boden gesenkt und 120 Telefonsäulen bereitgestellt. Denn wo früher höchstens mal ein Bauer vom Traktor nach Hause telefonierte, werden jetzt voraussichtlich mehr als 800000 Menschen eine Nachricht verschicken wollen. Oder ein Bild.

Die Struktur steht. Fehlt bloß noch ihr Inhalt.

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