"Weltrekoooooord!" : Die "taz": oder ist Schweigen Gold?

Die Leichtathletik-WM-Kolumne: Zum Glück ist die „taz“ nicht schon anlässlich des G-8-Gipfels von Heiligendamm auf die Idee gekommen, sich durch strenges Ignorieren dem Sicherheitswahn entgegenzustemmen.

Bernd Gäbler

Zeitloses zu Kienbaum und Kratochvilova statt Aktuelles zu Usain Bolt oder Robert Harting. Keine kleinen Geschichten, es fehlen die Freudentränen von Steffi Nerius: Mit solchen „Leibesübungen“ demonstriert die „taz“ für Pressefreiheit – durch trotziges Beschweigen der Leichtathletik-WM in Berlin.

Zu Recht hat sie darauf aufmerksam gemacht, was Journalisten so alles unterschreiben, um obskuren Sicherheitsanforderungen zu genügen. Mit dem Verweigern aber blieb sie allein. Weil alle anderen feige sind? Schon am Mittwoch musste die „taz“ dann beichten. Versehentlich war – sogar auf der Titelseite – die Siegerzeit des 100-m-Laufes erwähnt worden. Wie furchtbar! Und noch etwas Unvorhergesehenes passierte.

Am Mittwoch stand in der „taz“: „Nun ist von akkreditierten Kollegen zu erfahren, dass sie ins Stadion gelangen, ohne dass ihre Akkreditierung verlangt wird. Auch die Taschen der Schreiber werden nicht kontrolliert.“ Empörend! Da könnte man ja glatt einfach hingehen und drüber schreiben. Oder noch einmal darüber nachdenken, ob es wirklich so wahnsinnig klug ist, wenn sich Journalisten von Mönchen die Protestform abschauen.

Nicht immer ist die Welt der Stempel, Formulare und Bestimmungen exakt dieselbe wie die Wirklichkeit des Lebens. Aber Schwur ist Schwur. Zum Glück geht es „nur“ um die Leichtathletik-WM. Zum Glück ist die „taz“ nicht schon anlässlich des G-8-Gipfels von Heiligendamm auf die Idee gekommen, sich durch strenges Ignorieren dem Sicherheitswahn entgegenzustemmen. Vielleicht sollten die Tazler doch noch einmal in Ruhe miteinander diskutieren. Denn so zeigt die Zeitung, die unbedingt neue „linke“ Akzente setzen will, in erster Linie, als was sie sich positioniert: Primärquelle never, von Sympathie-Abos getragene Zweitzeitung forever. Bernd Gäbler

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