„Weltrekoooooord!“ : Zuschauerglück, beinahe perfekt

Ist das Fernsehen schuld, oder woran liegt es, dass die Übertragung dieser Leichtathletik-WM so glücklich, so zufrieden macht?

Matthias Kalle

Ist das Fernsehen schuld oder liegt es an mir, dass mich die Übertragung dieser Leichtathletik-WM so glücklich, so zufrieden macht? Mein Anteil in dieser Sache ist mir klar, ich halte Liveübertragungen von Sportveranstaltungen für das große Argument und für eine Existenzberechtigung des Fernsehens, denn dabei zeigt das Medium, zu was es in der Lage sein könnte: das Transportieren von Emotionen, das Herstellen von Gleichzeitigkeit, das Vermitteln von Informationen. Was zurzeit beim Thema Politik schiefgeht, das funktioniert beim Thema Sport.

Und vielleicht wissen die das beim Fernsehen, vielleicht sind sie sich ihrer Sache zu sicher – und geben sich deshalb nicht so viel Mühe. Am Sonntag wurde an dieser Stelle gemahnt, man dürfe aus einer Weltmeisterschaft keine Deutsche Meisterschaft machen, leider gibt es dazu die Tendenz. Jedem deutschen Sportler – und sei er nur aus Mitleid dabei – wird mehr Aufmerksamkeit zuteil als den Spitzenleuten (abgesehen von Usain Bolt). Das nervt, vor allem, wenn man als Fernsehzuschauer hört, dass eigentlich woanders gerade die Hölle los ist, man aber das Bild von einer nationalen Nachwuchshoffnung bekommt, die nicht weiß, ob sie ihr Sportgerät nach vorne oder hinten werfen soll (und wenn schon, denn schon, liebes ZDF: die deutsche Speerwurf-Weltmeisterin heißt Steffi Nerius, nicht Steffi Graf).

Zur Halbzeit dieser WM kann man vielleicht dann doch noch ein paar konstruktive Vorschläge an die Sender machen: Bitte schickt alle eure Praktikanten in das Stadion, da hat dann stimmungstechnisch jeder was davon, vor allem ihr, so etwas kommt beim Fernsehzuschauer gut an. Und überdenkt noch mal die Übertragungszeiten. Warum erst um zehn Uhr? Andere Menschen fangen auch um acht Uhr an zu arbeiten, und die, die diese WM am Fernsehen schauen wollen, die haben ein Recht darauf, mit Höchstleistungen aufzuwachen. Matthias Kalle

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