• Weltzeitungskongress: Verleger zur Zeitungszukunft: "Goodbye Gutenberg" ist ein Mythos

Weltzeitungskongress : Verleger zur Zeitungszukunft: "Goodbye Gutenberg" ist ein Mythos

Auf dem 60. Weltzeitungskongress in der südafrikanischen Metropole Kapstadt zeigten sich Medienmanager, Verleger und Chefredakteure optimistisch.

Ralf E. Krüger[dpa]
Thabo Mbeki
Südafrikas Präsident Thabo Mbeki plädiert für eine offene und faire Diskussion.Foto: AFP

KapstadtDie Zeitung hat Zukunft: Das Internet werde eine wichtige Ergänzung des Mediums Zeitung sein, es aber nicht in seiner Existenz bedrohen. "Die Daten lassen darauf schließen, dass zunehmender Internet-Gebrauch zunehmendem Zeitungsgebrauch folgt", erklärte der Präsident des Weltverbandes der Zeitungen (WAN), Gavin O'Reilly, am Mittwoch, dem Abschlusstag des Kongresses, vor den rund 1600 Delegierten.

   Die Industrie sei international selten in einer besseren Position gewesen als heute. Der mit Blick auf den Ahnherren der Druckerpresse geprägte Slogan "Goodbye Gutenberg" sei ein schädlicher Mythos - einer von vielen. Märkte mit der höchsten Breitband-Durchdringung hätten auch die höchste Tageszeitungs-Dichte.

Garcia: Zeitung muss Erscheinungsbild ändern

   Der internationale Zeitungsdesign-Guru Mario Garcia schloss sich dieser Ansicht an. Die Zeitung der Zukunft sei komplementär zum Internetauftritt. Internet und Zeitungen "tanzen Tango und der Chefredakteur ist ihr Choreograf". Die Botenfunktion für die Nachricht habe heute das Internet, die Zeitung müsse einordnen. "Die Story startet und endet online. Print ist da, um sie zu verstärken", meinte der Mann, der das Gesicht von mehr als 450 Zeitungen neu gestaltet hat.

   Die Zeitung werde sich aber drastisch ändern müssen, ihr Erscheinungsbild mehr dem Internet-Auftritt anpassen und noch grafischer und strukturierter daher kommen. Leitartikel seien im Zeitalter der Internet-Blogger out, die Meinung der Leser dagegen wichtiger als je zuvor. Auch Handys komme eine zunehmende Funktion bei der Nachrichtenvermittlung zu, auch wenn deren Übertragungsgeschwindigkeit noch zu gering sei. Zudem, so der einhellige Tenor, sei der Vormarsch der Gratiszeitungen kaum noch zu stoppen. In Europa macht ihr Anteil fast ein Drittel der Auflage aus.

   Mehr als 6 Milliarden US-Dollar hat die Branche 2006 weltweit investiert und damit die verkaufte Auflage auf einen Rekordwert von mehr als einer halben Milliarde Exemplare gesteigert. Jeden Tag greifen 1,4 Milliarden Menschen zu einem der 11.207 Zeitungstitel, die nach dem Fernsehen wichtigstes Werbemedium blieben. Auf dem Kongress unter dem Motto "Die Zukunft der Zeitung gestalten" wurden ein stärkerer Schutz von Journalisten und die Einhaltung der Pressefreiheit gefordert. Dazu gehörten auch der Quellenschutz, der Zugang zu öffentlichen Informationen und die Abschaffung diskriminierender Gesetze.

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