Medien : Wenn die Linken Trauer tragen

Gerhard Löwenthal

Wieder verlässt ein "Fossil" des politischen Fernsehjournalismus die Magazinszene. Seine Sendung war meist kontrovers, oft provozierend, vielfach anregend, fernsehgerecht gut gemacht. Kritisch wurde es für mich dann, wenn die Schwelle zum Sensationsjournalismus, ja gelegentlich zur Desinformation überschritten, der linkspropagandistische Ton zu deutlich wurde, wie zum Beispiel bei den angeblichen Würmern im Fisch, wo eine ganze Berufs- und Lebensmittelbranche ruiniert wurde; oder bei fast allen Bundeswehr-Themen, bei denen ich den Eindruck gewann, hier habe er sein Lieblingsfeindbild gefunden. Geradezu bestürzt war ich über seinen Quasi-Aufruf im Juli 1989 zum Desertieren, falls es zu einem Krieg in Europa kommen könnte, der Mangel an Bewusstsein für die Notwendigkeit der Verteidigung der Freiheit gegenüber dem Menschen verachtenden Kommunismus machte mich wütend.

Es störte mich natürlich auch, dass Bednarz sich aus meiner Sicht in "Monitor" nicht für die Einheit Deutschlands engagierte, stattdessen der, wie ich meinte und meine, illusionären und erfolglosen "Entspannungspolitik" eines Egon Bahr propagandistisch diente. Es gibt natürlich noch einige andere Themenkomplexe, an die ich mich kritisch erinnere, vor allem aber bleibt bei mir der Eindruck vorherrschend, dass die Fernseh-Magazinszene durch den Weggang von Bednarz aus "Monitor" noch um eine Farbe blasser wird, und das zu einem Zeitpunkt, zu dem die Magazine insgesamt öder geworden sind, wobei ich "Report" aus München ausnehme. Was manchen nicht wundern wird aus meiner Feder, aber es geht mir nicht etwa nur um die politische Richtung, sondern ich finde diese Sendung insgesamt besser, fernsehgerechter, interessanter und politisch aktueller als andere Magazine.

Bednarz hatte mit "Monitor" das Pech aller Magazine der ARD, nämlich der zerklüfteten Landschaft: Sowohl zeitlich, was die Sende tage betrifft, als auch der Reihenfolge nach, so dass sich kein Zuschauer auf Dauer merken kann, wann nun gerade welches Magazin dran ist. Ich habe es als Erfolg betrachtet, dass das "ZDF Magazin" 20 Jahre lang den gleichen Sendeplatz erkämpfen konnte, so dass Millionen Zuschauer sich so daran gewöhnten, dass sie sich heute noch - nach zwölf Jahren - daran erinnern. Am besten fand ich die Filmdokumentationen von Klaus Bednarz, jenes Programmgenre, das heute leider so selten geworden ist. Seine Berichte über die Wolga, den Kaukasus, Leningrad, Moskau, den Baikalsee gehören zum Besten in dieser Sparte, was ich gesehen habe. Ich bin richtig froh, dass wir auf diesen Bednarz auch in Zukunft nicht verzichten müssen, da er sich auf dieses Gebiet bei seiner weiteren Fernseh-Arbeit konzentrieren will. Mehr Fakten - weniger Agitation, das ist es, was ich in Zukunft von dem Kollegen Bednarz erhoffe. Und ich denke, dass ich damit die Erwartung vieler Zuschauer ausdrücke.

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