Medien : Wenn Mädchen abnehmen: „Dicke Freundinnen“

Simone Schellhammer

„Wenn ich nicht in die Klinik gegangen wäre, wäre ich geplatzt“, sagt die 14-jährige Sandra, die am Ende 20 Kilo weniger wiegt. Lähmende Langeweile war der Grund für ihr Gewicht von 109 Kilo. Damit ist sie in der fünfteiligen Dokumentation „Dicke Freundinnen“ noch der unspektakulärste Fall. Die anderen drei Mädchen, die sich ebenfalls zum Abnehmen in die Fachklinik nach Wangen im Allgäu begeben haben, belasten größere Probleme. Steffi (14) isst heimlich, Regine (13) verkraftet den Unfalltod ihrer Schwester nicht und Christina (15) wurde nach einer Krebserkrankung dick. Die Autorinnen Claudia Richarz und Iris Bettray porträtieren vier Teenager, die sich über die normalen Erschütterungen der Pubertät hinaus mit handfesten Schwierigkeiten auseinander setzen müssen.

Claudia Richarz bekam im Jahr 2000 für ihre großartige Arte-Serie „Abnehmen in Essen“ den Adolf-Grimme-Preis. Damals war das Thema Essstörungen noch nicht so in Mode wie heute. Mittlerweile kann man auf allen Sendern ohne Unterlass Menschen dabei zusehen, wie sie versuchen, Gewicht zu verlieren. Daher ist es für „Dicke Freundinnen“ schwierig, hier etwas Neues zu zeigen.

Eine merkwürdige Wirkung hat zum Teil die Musik, wenn die unglücklichen Teenager zu „What a Girl Wants“ von Christina Aguilera durch die Halle traben. Auch als die Mädchen sich bei einer Wahrnehmungsübung gegenübersitzen und gegenseitig betrachten, wirkt der Rap-Titel „Sexy Eyes“ ziemlich deplatziert. Angesichts der oft übermächtigen Probleme kann der fröhlich-selbstironische Ton von „Abnehmen in Essen“ einfach nicht aufkommen.

„Dicke Freundinnen“, Arte, bis Freitag, jeweils um 20 Uhr 15

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