Medien : Wenn Stellvertreter hudeln

„Günther Jauch“: Lob der Kanzlerin, Lob des Kandidaten – geht es langweiliger?

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Kein Grund zur Hektik. Der ARD-Talk am Sonntagabend vor 4,15 Millionen Zuschauer musste Angela Merkel nicht nervös machen.Foto: dpa Foto: dpa
Kein Grund zur Hektik. Der ARD-Talk am Sonntagabend vor 4,15 Millionen Zuschauer musste Angela Merkel nicht nervös machen.Foto:...Foto: dpa

Angela Merkel ist keinesfalls eine Zauderin, die Bundeskanzlerin ist eine entschlussfreudige Frau. Und ihr Herausforderer, der Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, der passt selbstverständlich wunderbar zum Programm seiner Partei. Eine gute Stunde haben am Sonntagabend Politiker von CDU und SPD bei Günther Jauch ihre Spitzenkräfte zur Bundestagswahl loben dürfen. Und wer die Sendung im Ersten verfolgt hat, der konnte irgendwann fragen, ob vielleicht nicht doch die Erde am Ende eine Scheibe ist.

Was selbstverständlich nichts mit Merkel oder Steinbrück zu tun hat, dafür aber sehr viel mit den Gästen, die sich Jauch eingeladen hatte, um die Frage zu erörtern, ob Frau Merkel eine ewige Kanzlerin ist oder vielleicht doch zur Bundestagswahl im Herbst 2013 von Peer Steinbrück ersetzt wird. Fazit der Sendung: Wenn Jauch im Ersten seine „Sendereihe zur Wahl“ fortsetzen will, dann sollte er sich mit konkreten Themen und Inhalten befassen und sich kenntnisreiche Vertreter der Parteien einladen, die ihre jeweiligen Pläne vorstellen und diskutieren. Auf dass die Zuschauer was lernen und vielleicht mancher, der es sonst mit dem eigenen Demokratiebeitrag nicht so ernst nimmt, doch den Weg in die Wahlkabine auf sich nimmt.

Das durchsichtige und weitestgehend von persönlichen Auffassungen bestimmte Gerede über die Motiv- und Gefühlswelt von Merkel und Steinbrück jedenfalls langweilt ungemein. Der „Bild“-Journalist Nikolaus Blome bekommt die Chance, am Tag vor dem Erscheinungstermin sein Buch über Angela Merkel, die „Zauder-Künstlerin“, vorzustellen, ein Werber, der der SPD angehört, darf „unabhängig“ über das Wesen der CDU und deren Wahlkampf urteilen und die jüngste Bundestagsabgeordnete, Agnieszka Brugger von den Grünen, beweist erschreckend, das man keine zwanzig Jahre Politiker sein muss, um sich nur noch in gestanzten Formeln ausdrücken zu können, um ja nichts Falsches zu sagen. So jung und schon so eingeordnet, dass die Grünen-Politikerin sich noch nicht mal traut offen heraus zu sagen, wie enttäuscht sie vom Kandidaten Steinbrück ist, der womöglich das rot-grüne gemeinsame Regierungsbündnis verspielt. Zwei Mal muss der Moderator nachhaken, bis Frau Brugger es dann leise über die Lippen bringt, dass ihr Hannelore Kraft, die Authentische aus Nordrhein-Westfalen lieber gewesen wäre an der Spitze des SPD-Wahlkampfes. Doch die will ja bekanntlich nicht nach Berlin und für Frau Brugger darf man hoffen, dass sie von Jürgen Trittin am Montag keine Abmahnung bekommt. Wegen ungebührlicher Beschädigung des rot-grünen Projektes.

Da kamen die Lobeshymnen des Berliner Regierungschefs Klaus Wowereit auf den Kandidaten Steinbrück schon weitaus authentischer rüber: Da spürte man wenigstens den Groll des SPD-Mannes auf die miesen Umfragewerte und die ständigen Pannen des Kandidaten. Wowereit kann so was super: Ganz ehrlichen Herzens lobte er Steinbrück und trotzdem sagt er mit einem Augenzwinkern, dass der die Nerven der Sozialdemokratie nun bis zum Rand ausgetestet hat und nun mal endlich Erfolge zeigen soll. Wowereit kam an diesem Sonntag übrigens direkt vom Wahlprogramm-Parteitag der SPD aus Augsburg angefahren, wo Steinbrück mal wieder eine gute Rede gehalten und seinen Parteifreunden damit Mut zugesprochen hat. Neustart, zum wiederholten Mal also, und noch 161 Tage bis zum Wahltag. Wenigstens darin waren sich CDU-Umweltminister Peter Altmaier und der SPD-Mann Wowereit, die beide ihre eigenen Leute lobten und die Gegner schmähten, einig: Die Wahl ist gelaufen am Wahlabend und keine Minute früher.

Zum Schluss wurde es dann aber doch noch mal interessant. Auch Moderator Jauch schien davon zunächst überrascht. Als nämlich „Bild“-Mann Blome aus seinem Buch plauderte, dass Merkel aller Wahrscheinlichkeit Mitte 2015 zurücktreten werde, sollte sie in diesem Herbst zum dritten Mal ins Kanzleramt gewählt werden, da staunte die Runde nicht schlecht. Zuerst erkannte CDU-Mann Altmaier die Gefahr der späten Botschaft: Würden die Wähler einer Kanzlerin ihre Stimme geben, mit deren Rücktritt noch vor Ablauf der Wahlperiode zu rechnen ist? „Gefahr, Gefahr“ – so spukte es durch Altmaiers Kopf, dass man es fast sehen konnte, und er sich beinahe in Dementis eines solchen Merkel-Planes überschlug. Von wegen „ewige Kanzlerin“.

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