Medien : Wer bin ich?

Das ZDF unterzieht Promis einem Persönlichkeitstest

Thomas Gehringer

Sind Grünen-Chefin Claudia Roth und Regisseur Dieter Wedel „brodelnde Vulkane“? Man glaubt es gerne. Ist Schauspieler Heiner Lauterbach eine „treue Seele“? Gewiss. Dies anzuzweifeln, verbietet sich schon deshalb, weil das ZDF es ermittelt hat, und zwar bei einem „Test auf Basis einer wissenschaftlichen Grundlage“, wie der Psychologe Werner Katzengruber doppelbödig erläutert. Im deutschen Fernsehen liebt man Tests aller Art, am meisten die quasi-wissenschaftlichen. Das ZDF bringt nun nach IQ-, Deutsch-, Führerschein-, Pisa- und Partnerschaftstests bei diversen Sendern einen Nachzügler auf den Markt. In der vorerst einzigen Ausgabe von „Der Persönlichkeitstest“ wird die Frage aufgeworfen: „Welcher Beziehungstyp bin ich?“ Findet das Publikum Gefallen an dem Format, soll es weitere Folgen geben. Allerdings muss die Redaktion dann, damit es sich nicht wiederholt und langweilig wird, andere Themen finden, etwa die Frage nach dem persönlichen „Karrieretyp“.

Die Mainzer probieren es eine Nummer kleiner als die ARD, die bereits in zwei Samstagabend-Shows den unermüdlichen Jörg Pilawa mit dem „Großen Partnerschaftstest“ ins Rennen geschickt hat. Nur drei prominente Gäste, ein kleineres Studio, eine in Deutschland noch unbekannte Gastgeberin – dies alles erweist sich als kein Nachteil. Sandra Studer, in der Schweiz eine namhafte Moderatorin, wirkt souverän und charmant. Das prominente Trio gibt sich entspannt und schlagfertig. Und wer immer schon mal wissen wollte, wie es im Kühlschrank von Heiner Lauterbach aussieht (ökologisch korrekt und ordentlich!) und wer die erste Liebe von Claudia Roth war (Winnetou), kommt auch auf seine Kosten. Man nimmt sich selbst, die 13 Test-Fragen und die Interpretationen von Psychologe Katzengruber nicht übermäßig ernst.

Im Übrigen ist es so, als säße man im Wartezimmer und würde gemeinsam den Illustrierten-Test ausfüllen. Am Ende wird die Beziehungswelt in vier Typen eingeteilt, neben der „treuen Seele“und dem „brodelnden Vulkan“ gibt es angeblich noch den „Fels in der Brandung“und die „Liebe auf den zweiten Blick“. Für ein „wissenschaftlich solides“ Ergebnis, sagt Katzengruber, benötige man aber 120 bis 180 Fragen. Frau Roth weiß dagegen jetzt schon: „Ich muss mich nicht grundsätzlich hinterfragen.“ Dann ist ja alles gut.

„Der Persönlichkeitstest“: ZDF, 20 Uhr 15

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