• Wer darf aus Stockholm übertragen? : Schweden-Hochzeit könnte Streit zwischen ARD und ZDF auslösen

Wer darf aus Stockholm übertragen? : Schweden-Hochzeit könnte Streit zwischen ARD und ZDF auslösen

Im kommenden Jahr will Schwedens Prinzessin Madeleine heiraten. ARD und ZDF schließen eine Doppelübertragung der Hochzeit aus - wollen aber offenbar auch nicht freiwillig verzichten. Zu gut ist der Quotenerfolg in Erinnerung, den Madeleines große Schwester bescherte.

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Im Sommer 2013 will Madeleine ihren Chris vor TV-Publikum heiraten. Foto: AFP
Im Sommer 2013 will Madeleine ihren Chris vor TV-Publikum heiraten. Foto: AFPFoto: AFP

Noch steht nicht fest, an welchem Tag Schwedens Prinzessin Madeleine mit US-Banker Chris O’Neill vor den Traualtar treten wird, gestern gab das Paar seine Verlobung bekannt und dass die Hochzeit im Sommer 2013 stattfinden soll. Doch bereits jetzt droht ein Streit zwischen ARD und ZDF darüber, wer von den beiden öffentlich-rechtlichen Sendern das royale Ereignis übertragen darf.

„Ich schließe eine Doppelübertragung aus“, sagt ARD-Chefredakteur Thomas Baumann – das heiße aber nicht, dass das Erste nicht übertragen wolle. Auch das ZDF versichert, dass es nicht zu einer Doppelübertragung kommen werde. „Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die ARD übertragen wird“, so eine ZDF-Sprecherin. Hört sich an, als wolle keiner der beiden Sender freiwillig verzichten.

Nur zu gut erinnern sie sich an den Quotenerfolg, der dem ZDF vor zwei Jahren von Madeleines großer Schwester Victoria beschert wurde. Fast sieben Millionen Zuschauer verfolgten in der fünfstündigen ZDF-Sondersendung aus Stockholm, wie die Kronprinzessin den bürgerlichen Daniel Westling ehelichte, das entsprach einem Marktanteil von 36,6 Prozent. Von diesem Quotenkuchen hätte auch das Erste gerne etwas abbekommen, wenn es nicht durch die Fußball-Weltmeisterschaft anderweitig verpflichtet gewesen wäre. Die parallel zur Hochzeit stattfindenden Spiele zwischen Japan und den Niederlanden sowie Ghana und Australien fanden im Ersten teil erheblich weniger Zuschauer als die Schweden-Hochzeit.

Mit der Übertragung von Madeleines Hochzeit wäre nun theoretisch die ARD dran, denn vergangenen Samstag übertrug das ZDF die Hochzeit des luxemburgischen Prinzen Guillaume. Beide Sender sollen sich bei sogenannten B-Hochzeiten abwechseln. 2007 hatten ARD und ZDF ein System ersonnen, wonach sie die Königshäuser in Kategorien aufteilten. Zur Kategorie A gehören demnach das englische, das niederländische, das schwedische und das spanische Könighaus, unter die Kategorie B fallen die Royals aus Norwegen, Dänemark, Monaco, Belgien oder eben Luxemburg. Parallel übertragen dürfen ARD und ZDF gemäß der Vereinbarung nur dann, wenn "in den A-Häusern Krönungen, Hochzeiten oder Beerdigungen von Königen, Königinnen und Thronfolgern stattfinden", erklärte ARD-Chefredakteur Baumann 2011 - dem Jahr, in dem die Öffentlich-Rechtlichen jeweils über die Hochzeit von Prinz William und Catherine Middleton in London berichteten. Heftig wurden sie dafür kritisiert, unter anderem von Sachsens Staatskanzleichef Johannes Beermann. Der Gebührenzahler müsse beide Sendungen bezahlen, könne aber nur eine sehen, monierte er. Die Sender freuten sich derweil über die Millionenquote.

Zwar gehören auch die Schweden dem System nach zur Kategorie A, allerdings ist Madeleine im Gegensatz zu ihrer Schwester keine direkte Thronfolgerin. Eine Doppelübertragung ist dem vermeintlich ausgeklügelten System nach also nicht gerechtfertigt. Die ZDF-Sprecherin erinnert jedoch an das große Interesse der Deutschen am schwedischen Königshaus und daran, dass Madeleines Mutter, die schwedische Königin Silvia, gebürtig aus Deutschland komme. Rechtfertigt das eine Doppelübertragung?

Staatskanzleichef Johannes Beermann ist noch zuversichtlich, dass es nicht so weit kommt: "Ich bin mir sicher, dass die Sender vernünftig sind, sich untereinander abstimmen und nur einer dieses Ereignis überträgt." Doch ARD-Chefredakteur Baumann sagte bereits 2011 über eine mögliche Doppelübertragung von Madeleines Hochzeit: „Dafür haben wir uns Spielraum gelassen.“ Am Ende könnte also das passieren, was eigentlich Ausnahme bleiben soll: die gebührenfinanzierten Sender übertragen parallel aus Stockholm. Sonja Pohlmann

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