Medien : Wer den Schaden hat

Kabel eins startet neue Anwaltsserie „Damages“

Mathias Stamm

Eine junge Frau flüchtet spärlich bekleidet und blutbeschmiert aus einer Luxus-Wohnung in Manhatten, wird von der Polizei aufgegriffen und verweigert auf dem Polizeirevier jegliche Aussage. Kurze Zeit später findet die Polizei ihren Lebensgefährten tot in der Badewanne der gemeinsamen Wohnung. Sie wird wegen Mordes angeklagt. Sechs Monate zuvor wird die Frau als als junge Jura-Absolventin Ellen Parsons (Rose Byrne) gezeigt. Sie sitzt in einem teuren Anwaltsbüro und lehnt einen lukrativen Vertrag ab, weil sie für eine andere Kanzlei arbeiten will. Die neue Anwaltsserie „Damages“, die am Montag auf Kabel eins startet, spielt mit den Zeitebenen, springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Die Zuschauer wissen bereits, was letztlich passiert. Am Ende der Serie gibt es (mindestens) einen Toten. Die erste Staffel der Serie erzählt nun, wie es dazu kam.

„Damages“ ist der englische Begriff für Schadensersatz. Darauf ist die Kanzlei spezialisiert, für die Parsons arbeiten will. Es ist die Kanzlei von Patty Hewes (Glenn Close). Sie klagt Unternehmen an und bearbeitet prinzipiell nur Fälle mit Entschädigungssummen ab 100 Millionen Dollar.

In der ersten Staffel sitzt Arthur Frobisher (Ted Danson) auf der Anklagebank. Der Multimilliardär hat in großem Maßstab eigene Firmenaktien verkauft – bevor sie massiv an Wert verloren. Seine Insiderinformationen haben ihn noch reicher gemacht, seine Mitarbeiter aber um ihre in den Aktien investierte Altersversorgung gebracht. Dafür soll er nun zahlen. Patty Hewes kämpft um mehrere Hundert Millionen Dollar, Arthur Frobisher um sein unternehmerisches Vermächtnis. Gewinnen seine Mitarbeiter, ist er ruiniert.

Patty Hewes ist intrigant, verlogen und gefährlich. Sie ist eine mächtige Frau, wird gehasst, wird gefürchtet. Sie gewinnt immer, entsprechend wählt sie ihre Methoden: sie nimmt keine Rücksicht auf Gesetz und Moral. Die Autoren der Serien zeichnen Patty Hewes aber nicht nur als eiskalte Anwältin, sondern auch als überforderte Mutter und Ehefrau, die sich selbst eingestehen muss, dass ihr Spiel zwar teuflisch sein mag, sie ihr eigenes Gewissen aber nicht betrügen kann. Sie ist sich bewusst, dass vieles, was sie tut, falsch ist, mitunter illegal und mörderisch. Sie bereut. Regelmäßig. Heimlich.

Die Charaktere in „Damages“ sind vielschichtig. Im Verlauf der Serie entfaltet sich ein Netz aus Intrigen, Betrug und Partnerschaften, das die Beteiligten für immer verändern wird. Am Ende ist niemand so, wie er am Anfang einmal war. Wer was warum tut oder getan hat, muss regelmäßig neu gedacht werden. Nichts ist wie es scheint. Es sind die oft beschriebenen Wendungen, die keiner kommen sah, die es verbieten, an dieser Stelle mehr vom Inhalt der Serie zu erzählen. Nur soviel: „Damages“ ist Fernsehen in sener spannendesten Form. Die Serie ist fein komponiert, die Handlungsstränge sind sorgfältig ineinander verwoben, am Ende der ersten Staffel bleibt keine Fragen offen. „Damages“ zwingt zwar zu ständig neuen Interpretationen, will den Zuschauer aber nicht unnötig verwirren. Auch intelligenter kann Fernsehen kaum sein. Die Schauspieler – allen voran Rose Byrne und Ted Danson – sind ausgezeichnet, aber es gibt nur einen Star in „Damages“. Und das ist Glenn Close. Sie hat für ihre Darstellung einen Golden Globe gewonnen.

Am Ende der ersten Episode steht Patty Hewes auf einem Steg. Sie hält einen Gegenstand in den Händen und dass sie eben diesen Gegenstand besitzt, zwingt den Zuschauer, das Geschehen der ersten Folge in einen ganz neuen Zusammenhang zu sehen. Nichts ist wie es scheint. Sie wirft den Gegenstand am Ende ins Wasser. Sie schaut auf den Horizont. Sie lächelt. Nichts ist beängstigender als eine lächelnde Patty Hewes. Mathias Stamm

„Damages – Im Netz der Macht“; Kabel eins, 21 Uhr 10

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