Medien : Wer hat’s erfunden?

-

Andreas Oswald sucht

nach dem Besonderen der Schweizer Version von „Dinner for One“

Es war das FernsehprogrammHighlight des Jahres 2003: „Dinner for One – in der schweizerischen Fassung“. Vom WDR. Jeder war gespannt: Ist der Streifen schweizerisch synchronisiert? Oder mit schweizerischen Untertiteln versehen? Oder von Schweizern nachgespielt?

Deutsche Liebhaber alles Schweizerischen saßen an Silvester vor dem Bildschirm und staunten. Es war genau der gleiche Sketch, nur eine andere der vielen hundert Aufführungen, die das Stück auf Theaterbühnen erfahren hatte. Alles war in Englisch, es waren dieselben beiden Darsteller, es war das gleiche Stück. Doch gab es einige kleine Details: Möbel und Bilder waren anders. Vielleicht handelte es sich um ein Gastspiel in der Schweiz. Die Kamera filmte von halblinks, im Gegensatz zu der NDR-Fassung, in der man das Geschehen von halbhalbrechts sieht. Dadurch sah man das Maul des Tigers besser. Aber was ist daran schweizerisch? Das Publikum lachte weniger. Das waren vielleicht Schweizer, weshalb der Butler nach manchen Gags die nicht lachenden Zuschauer anschaute und ihnen zunickte, damit sie wissen, dass man jetzt lachen darf. Was sie dann auch taten. Schließlich klang der Butler in sturzbetrunkenem Zustand ein wenig so, als würde ein Engländer mit schweizerischem Akzent englisch reden. Das Publikum lachte an dieser Stelle kaum. Gegen eine schweizerische Fassung spricht, dass der Butler nicht langsamer spielte, sondern schneller. Aber vielleicht wollte er es nur hinter sich bringen. Insgesamt wirkte der Auftritt weniger professionell, die Bildqualität billiger. Da haben wir es: Es handelt sich um eine schweizerische Fassung, weil es die schlechtere und billigere ist und ein kleiner schweizerischer Sender mit kleiner Reichweite sie sich leisten kann. Wenn er sie an den WDR verkauft.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben