Medien : Wer sendet für Amerika?

„Voice“ und NPR streiten um Berliner Frequenz

Elisabeth Binder

Um die Frequenz 87,9 FM, über die einst der amerikanische Soldatensender AFN seine kultigen Programme ausstrahlte, ist ein heftiger Kampf entbrannt. Derzeit kooperiert dort die staatliche „Voice of America“ (VOA) mit „Star FM“, was praktisch so aussieht, dass sich die stündlichen Nachrichten aus Washington mit einem von Rockmusik bestimmten Programm abwechseln. Im April nächsten Jahres läuft die Lizenz aus. Noch in diesem Jahr wird die Medienanstalt Berlin-Brandenburg die Frequenz neu ausschreiben und anschließend über die Vergabe entscheiden.

Amerikas kulturelle Stimme in der Berliner Radiolandschaft möchte nun unbedingt National Public Radio (NPR) werden. Jeff Rosenberg, Direktor von NPR Worldwide, hat die Vision eines kulturell hoch stehenden Programms, das rund um die Uhr gesendet werden könnte und auch viele lokale kulturelle Themen aufgreifen und in die weltweiten Programme aufnehmen könnte. Schließlich sei Berlin überall von großem Interesse.

Laut Medienstaatsvertrag von 1992 sollten die Frequenzen der früheren Schutzmächte so vergeben werden, dass die Beziehungen zu den entsprechenden Ländern weiterentwickelt werden können. Bei den Franzosen hat Radio France International diese Rolle übernommen, bei den Engländern die BBC.

In diesen Fällen gibt es auch keinerlei Streitigkeiten. Zu den Kriterien, nach denen die Medienanstalt zu entscheiden hat, gehören nach Auskunft von deren Justiziarin Ingeborg Zahrnt Programmvielfalt ebenso wie medienwirtschaftliches Engagement. Sowohl bei der VOA wie auch bei NPR herrscht ganz offensichtlich die Meinung vor, ihr Land jeweils am besten repräsentieren zu können.

Aus der Sicht von Helmut Drück, dem ehemaligen Rias-Intendanten und Lizenzträger von Star FM, wäre es am allerbesten, wenn es eine friedliche Einigung gäbe und Voice of America und National Public Radio ein gemeinsames Angebot abgäben. So hat es offenbar bereits den Vorschlag gegeben, dass NPR 80 Prozent der Zeit sendet und Voice of America sich, wie bisher, auf die Nachrichten zur vollen Stunde beschränkt sowie ein Magazin am Wochenende bringt. Diese Lösung scheint aber angesichts der festgefahrenen Auseinandersetzungen bislang nicht zu verwirklichen zu sein.

NPR hat in der Stadt schon viele Fürsprecher gesammelt, unter anderem die Gruppe Bridge Builders, die sich für deutsch-amerikanische Beziehungen engagiert und von dem Operntenor David Knutson koordiniert wird. Viele engagierte Amerikaner sorgen sich darüber, dass VOA dem Ansehen der USA in Europa offenbar abträglich ist. „VOA hat eine Chance gehabt und hat sie nicht genutzt“, sagt Gary Smith, Chef der renommierten American Academy. Wenn sie nicht bereit und in der Lage seien, ein vernünftiges Programm zu machen, sollten sie sich in diesem Wettbewerb nicht aufstellen.

Seit über 20 Jahren in Europa ansässig, vermisst er verzweifelt „ein intellektuelles Radio aus meiner Heimat“. Mit NPR könnte man Hunderttausende weltweit erreichen, glaubt Smith. So könnten dann auch anderswo Zuhörer in den Genuss der Vorträge gelangen, die Geistesgrößen wie Fritz Stern in der Akademie am Wannsee halten. Auch in der Politik gibt es Fans. Alice Ströver von den Bündnisgrünen sagt: „Es ist erfreulich, bei USA-Reisen festzustellen, dass es im amerikanischen Radio auch noch etwas anderes zu hören gibt als Musik und Werbung. Mit NPR auf einer Berliner Frequenz kann man sich schon mal prima einhören.“

Ursprünglich sollte auch das die VOA ergänzende Angebot von Star FM deutlich über Verkehrsinfos und lokale Nachrichten hinausgehen. Diese Erwartungen haben sich aber nicht erfüllt. Der Sender bemüht sich nach Angaben von Helmut Drück inzwischen um eine eigene Frequenz. Voice of America, das Radio, das auch die Stimme der jeweiligen US-Regierung repräsentiert, könnte rein theoretisch auch über 24 Stunden ein Programm machen. Das wäre allerdings nach Ansicht von Experten das Gegenteil eines Quotenbringers.

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