Medien : Wer sieht Roth?

Vom 13. März an hat der Zuschauer sonntags die Qual der politischen Magazin-Wahl bei ARD und ZDF

Joachim Huber

„Ich habe verstanden.“ Das soll der Zuschauer am Sonntag, den 13. März, um 18 Uhr 50 sagen. Genau dann ist der „Bericht aus Berlin“ zu Ende. Dass der Zuschauer das sagt, dafür wollen Thomas Roth und sein Team sorgen. Roth ist Leiter des ARD-Hauptstadtstudios. Er leitet zudem den „Bericht aus Berlin“, der an seinem heutigen Termin, Freitag um 22 Uhr herum, auf erschreckend wenig Publikum trifft. Erschreckend, weil die ruhmreiche, traditionsbeladene Sendung als ein Herzstück der ARD-Information gesehen wird. Vom 13. März an soll diese Qual ein Ende haben: 18 Uhr 30, 20 Minuten lang politische Berichterstattung, live aus Berlin. Thomas Roth sieht den neuen Termin als „erheblich besser an“, zumal der Sonntag ein politischer Tag geworden sei.

Die Verlegung und insbesondere das Herauslösen aus den „Tagesthemen“ will Roth dazu nutzen, den „Bericht aus Berlin“ zu einer „eigenen Marke“ im ARD-Programm aufzubauen. Natürlich wird auch an der Optik der Sendung gebastelt, viel wichtiger ist aber der Schritt, dass sich der „Bericht aus Berlin“ öffnen wird: „Wir möchten weniger die Millimeterarbeit im politischen Innenraum fokussieren als die großen Linien aufzeigen.“ Politik und Akteure darstellen, klar, aber über die analytischen Stücke erklären, das steht künftig im Vordergrund. Mit dem neuen Sendetag, dem Sonntag, dreht sich auch der Beobachtungswinkel. Der „Bericht aus Berlin“ wird nicht länger die politische Arbeit rezensieren als das Publikum auf die Agenda der kommenden Woche einstimmen. Der Blick nach vorne. Und der Ehrgeiz fliegt hoch: „Noch mehr Studiogäste aus der ersten Reihe“, sagt Roth, der dafür in Kauf nimmt, „dass wir mal denselben Interviewpartner wie ,Berlin direkt’ vom ZDF haben.“ Bei der angestrebten Zuschauerzahl nimmt sich Roth zurück, „wir werden kein so großes Publikum erreichen wie die Kollegen vom zweiten Programm“. Das wird eine der wesentlichen Fragen sein, ob die politisch interessierten Zuschauer die Angebote von ARD und ZDF künftig als sich ergänzende Sendungen sehen oder sich über die Wahl der Qual ärgern. Wer sich die Dramaturgie und die Stoßrichtung von „Bericht aus Berlin“ und ,Berlin direkt“ vor Augen hält, der wird mit dem 13. März auf die Idee kommen können, dass hier eine beträchtliche Verwechslungsgefahr vorliegt.

Peter Frey ist Chef des ZDF-Hauptstadtstudios und Leiter von „Berlin direkt“. Frey sagt, die Entscheidung der ARD zeige sehr deutlich, dass die ZDF-Sendung bestens platziert sei: „Einen besseren Termin als unseren zwischen den ,heute’-Nachrichten und der Abenteuer-Reportage, kann es nicht geben.“ Über die ARD-Rochade schweigt er. Sein Intendant Markus Schächter wird deutlicher. In einem vorab verbreiteten „Spiegel“-Interview sagte er, das ZDF behalte sich eine weitere programmliche Gegenwehr vor. Welches Arsenal der Mainzer Sender vorhält, zeigt sich bereits am 20. Februar. An diesem Sonntag wird erstmals der Talk von Johannes B. Kerner gegen die zuletzt – gemessen nach Quoten – schwächelnde Politrunde von Sabine Christiansen gesetzt. Der Auftritt Kerners am Sonntag erfolgt nach dem neuen „Schwarzwaldklinik“-Film mit entsprechenden Gästen zum Thema. ZDF-Programmchef Thomas Bellut sagt, der Kerner-Einsatz sei nur eine Option, generell für den Sonntag sei er nicht geplant. ARD-Programmdirektor Günter Struve gibt sich cool: „Die Programmierung bietet dem Zuschauer eine Alternative. „Bei uns die erfolgreichste politische Gesprächsrunde im deutschen Fernsehen, beim ZDF der bonbonfarbene Talk.“

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