Medien : "Wer war das?": Man nehme eine Fernbedienung ...

Claudia Wessling

Seit Günther Jauch ist Deutschland im Ratefieber. Im September 1999 ging "Wer wird Millionär?" bei RTL auf Sendung; damals waren gerade 3,69 Millionen Zuschauer dabei. Ein gutes Jahr später schauen pro Sendung manchmal mehr als zwölf Millionen zu. Ein Erfolg, wie ihn das Fernsehen nur aus den fernen Zeiten kennt, als Kulenkampffs "Einer wird gewinnen" noch die Straßen leer fegte. Andere Sender machen inzwischen der Millionärs-Show Konkurrenz: Sat 1 hat Jörg Pilawa und die "Quiz Show", das ZDF Ulla Kock am Brinks "Cash", auf RTL 2 moderiert Andrea Wieser "Allein gegen alle". So erfolgreich wie Günther Jauch, der als Quizmaster die Kandidaten wie kein anderer zu verunsichern versteht, ist keiner. Der Quiz-Flut zum Trotz stellt jetzt auch die ARD ihr eigenes Format vor: "Wer war das?", produziert vom Mitteldeutschen Rundfunk und moderiert von "Brisant"-Moderator Axel Bulthaupt, will an heute um 20 Uhr 15 die erste "interaktive" Quizshow sein.

Auch die Zuschauer im heimischen Wohnzimmer können die gefragten "interessanten Personen aus Gegenwart und Zeitgeschichte" erraten - allerdings nur die 60 Prozent, die Videotext und eine etwas modernere Fernbedienung haben. Bevor Axel Bulthaupt die prominenten Rategäste im Studio nach dem Entdecker des Gravitationsgesetzes fragt, dürfen zuerst die Zuschauer zu Hause über die Farbtasten ihrer Fernbedienung die richtige Antwort auswählen. Wer am Ende alle 15 Fragen beantwortet hat, bekommt auf dem Bildschirm eine Telefonnummer angezeigt und kann den Moderator anrufen. Vergleichsweise bescheidene 60 000 Mark erhält der Gewinner, doch eigentlich ist die öffentlich-rechtliche Sendung ja auch einem guten Zweck gewidmet: Die Gewinne der Studiogäste kommen der "Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler" zugute. Im echten Sinne interaktiv ist diese Art der Zuschauerbeteiligung bei "Wer war das?" nicht: "Der Zuschauer kommuniziert eigentlich mit einem Computerprogramm, das in den Videotext integriert wird. Für die Rückmeldung brauchen wir aber immer noch das Telefon", sagt Wolfgang Konrad, dessen Firma "Visual Communication Design" das technische Konzept entwickelt hat. Er findet, dass mit der MDR-Show zumindest eine Annäherung an interaktive TV-Formate gelungen ist.

Axel Bulthaupt ist zur Zeit sicher einer der meistbeschäftigten Moderatoren: Er präsentierte die "Carreras-Gala", die Vorentscheidung zum Grand Prix, die Echo-Verleihung, reist in "Bulthaupt in ..." durch die Gegend und hat gerade seinen Moderationsvertrag für das Boulevard-Magazin "Brisant" bis 2003 verlängert. Seine journalistische Karriere begann der 35-jährige bei der "Neuen Osnabrücker Zeitung" und beim NDR. Ein neuer Günther Jauch? Bulthaupt ist zurückhaltend und gleichzeitig optimistisch: "Ich würde mich schon freuen, wenn fünf bis zwölf Millionen Leute mitspielen."

0 Kommentare

Neuester Kommentar