Medien : Wer? Wie? Was?

Bauer steht kurz vor der Übernahme der Kirch-Sender. Beim bisherigen Management wird es nicht bleiben

Joachim Huber,Ulrike Simon

Von Joachim Huber

und Ulrike Simon

Das Vertragswerk über den Kauf der Senderfamilie ProSiebenSat 1 Media AG ist unterschriftsreif. Noch vor Weihnachten erwartet Wolfgang von Betteray, der Insolvenzverwalter der Kirch-Media, die Unterschrift der Verlagsgruppe Bauer. Der Vertrag wird wirksam, wenn sich das Zeitschriftenhaus auch über die zur Senderfamilie gehörende Filmrechtebibliothek geeinigt hat – das könnte erst im Frühjahr der Fall sein –, doch schon jetzt sind die Personaldebatten im Gange. Wer muss bei der Sender-AG, zu der neben Pro 7 und Sat 1 Kabel 1 und N 24 gehören, gehen, wer bleibt, wer kommt, wer winkt ab?

Fest steht, dass Jörg Howe die Geschäftsführung von N 24 abgibt und „sich wieder ausschließlich auf die Sat-1-Chefredaktion konzentriert“, bestätigte Unternehmenssprecher Torsten Rossmann. Im Zuge „der programmlichen Neuerungen bei N 24“ wird die Leitung des Berliner Senders aus dem bisherigen und künftigen Geschäftsführer Claus Larass (zudem Nachrichten-Vorstand bei der AG) und drei Neuzugängen bestehen: Peter Rampp verantwortet das tagesaktuelle Programm und Michael Cramer, bislang Sat-1-Nachrichtenchef, kümmert sich um das übrige Programm. Carsten Wiest leitet das Kaufmännische. An der Spitze der N-24-Chefredaktion steht neben Peter Limbourg künftig Marita Schöps, Redaktionsleiterin Aktuelles.

Vorstandschef der ProSieben Sat 1 Media AG ist seit knapp drei Jahren der Schweizer Urs Rohner. Spekulationen, der 43-Jährige sei nur noch ein Chef auf Zeit, werden vor allem bei Sat 1, wo man sich seit langem stiefmütterlich behandelt fühlt, nicht ungern gelesen. So wie es am Donnerstagabend auf der Internet-Seite des „Manager Magazins“ der Fall war. Dort stand: Hubertus Meyer-Burckhardt könnte zunächst die Stellvertreterrolle Rohners übernehmen und dann zum Vorstandschef aufrücken, falls Bauers Wunschkandidat, Werner E. Klatten, abwinken sollte. Klatten ist zurzeit Chef des Rechtehändlers EM.TV und war in den Anfangsjahren Geschäftsführer von Sat 1.

Meyer-Burckhardt, Filmproduzent und seit einem Jahr Springer-Vorstand für Elektronische Medien und das Buchgeschäft, könnte eine weitere Rolle zukommen: die des künftigen Sat-1-Geschäftsführers. Meyer- Burckhardt, dem gute Verbindungen zum künftigen Sender-Mehrheitseigner Heinz Bauer nachgesagt werden, würde damit Martin Hoffmann beerben. Von Torsten Rossmann kam das prompte Dementi. „Martin Hoffmann und Ludwig Bauer arbeiten weiterhin gemeinsam an der Optimierung von Sat 1.“ Bauer ist Fernsehvorstand der AG und sitzt mittlerweile vier Arbeitstage in der Woche bei Sat 1 in Berlin.

Trotzdem, der Wechsel von Meyer-Burckhardt wäre insofern sinnvoll, als ihm bei Springer das Aufgabengebiet abhanden kommen könnte. Eine Sprecherin des Verlags sagte: „Die Spekulationen entbehren jeder Grundlage. Meyer-Burckhardt macht als Vorstand eine ausgezeichnete Arbeit, wir sind froh, dass er bei Springer ist und sind zuversichtlich, dass das noch lange der Fall sein wird.“ Sollte Springer trotz erfolgreicher Sanierungsarbeiten die Buch-Verlage abstoßen und sich nicht nur von den Fernsehproduktionen, sondern auch von der 11,5-Prozent-Beteiligung an der Sender-AG trennen, würde Meyer-Burckhardt dennoch im Vorstand bleiben, ist bei Springer zu hören. In diesem Fall würden die Zuständigkeiten neu geordnet. Sollte Springer jedoch die Anteile an der Senderfamilie aufstocken, wäre es durchaus denkbar, dass Springer ihn „als Mann des Vertrauens“ in die Senderfamilie schickt. „Ganz oder gar nicht“, lautet Springers Credo mit Blick auf die Fernsehbeteiligung. Kommenden Dienstag wird man mehr wissen. Springer fordert von Kirch-Media 767 Millionen Euro. Der Verlag hatte im Januar eine Verkaufsoption seiner Senderbeteiligung ausgeübt. Kirch bestreitet deren Rechtmäßigkeit. Entweder Springer einigt sich noch auf eine Vergleichszahlung und stockt die Anteile auf – oder das Gericht entscheidet am Dienstag.

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