Medien : Wer zahlt, sieht mehr

Drei Wochen Bundesliga: Arena kann es, „Clubberer“ nervt, Free-TV im Nachteil

Joachim Huber

Vom Fußballsport heißt es immer, er sei pure Emotion und er biete pure Emotion. Schreien vor Lust, Leiden aus Frust. Stimmt schon, die Fans im Stadion sind hervorragend in die neue Bundesliga-Saison gestartet. Merkwürdig ist die Ruhe bei den Fernseh-Fußballfans. Zugunsten des neuen Pay-TV-Bundesligasenders Arena ist ein Spieltag von zwei auf drei Anstoßzeiten am Freitag, Samstag und am Sonntag gedehnt worden, von der Partie am Freitag gibt es am selben Abend im Free-TV nichts zu sehen, die beiden Sonntagspartien werden im DSF erst um 22 Uhr aufgearbeitet. Die Deutsche Fußball Liga hat für ihren bedeutendsten Finanzier – und das ist Arena mit 220 Millionen Euro pro Saison – das Fernsehgut Bundesliga spürbar verknappt, was die (zeitnahe) Nachverwertung bei ARD, ZDF und DSF angeht. Und wer den Ball live bei Arena rollen sehen will, der muss zusätzlich investieren.

Unwilliges Gemurmel, kein lauter Aufschrei der Massen. Arena behauptet, bald eine Million Abonnenten angelockt zu haben. Zwar fehlt der stichhaltige Nachweis für den geglückten Lockruf, trotzdem scheint der Coup gelungen, dass der aus dem Boden gestampfte Bezahlsender dem Konkurrenten Premiere nicht nur die Liverechte an der Liga abgeluchst hat, sondern auch die Zuschauer und Zahler. Premiere wiederum gibt sich gelassen, verweist auf die Exklusivität bei der Champions League und freut sich wie Bolle auf die künftige Internet-Bundesliga gemeinsam mit T-Com. Es gibt noch einen Dritten im Bunde: die „Sportschau“ der ARD, die am vergangenen Samstag 5,46 Millionen Zuschauer ziehen konnte. Eine sehr respektable Zahl. Nach jetzt drei Spieltagen und vor einer dreiwöchigen Bundesliga-Pause kann es ein positives Auftaktfazit geben: Das Runde passt wie gehabt in das Eckige.

Muss der Kritiker schweigen? Kann er gar nicht. Na ja, schreien und toben und leiden, das nun nicht gerade. Was die Leistung der Elitekicker angeht, darüber müssen die Sportkollegen urteilen. Hier geht es um die Leistung des Fernsehens. Fußball ist Unterhaltungsprogramm, produziert von Männern in kurzen Hosen, abgebildet von Männern in langen Hosen. Der Tenor der Langhosen: Toll, toll, toll. Die Bundesliga wird – in der Regel – als Weltspitzenliga verkauft. Das funktioniert am besten im Best-of-Schnipsel von ARD, DSF und ZDF.

Arena, der Livesender, nimmt die Wirklichkeit auf dem Platz ins Bild. Live bei 612 Saisonspielen der ersten und der zweiten Liga. Logistisch ist das derart bemerkenswert, dass kleinere Schwächen nicht den Gesamteindruck ruinieren. Es hat überraschend lange gedauert, bis der Spielstand je Partie oben ins Fernsehbild passen wollte, und ob die Praxis, den Samstag-Spieltags-Zusammenfasser Oliver Welke plus Klatschkader in ein mobiles Studio – das nach OP-Zelt mit Notbeleuchtung aussieht – einzupferchen, die Mühe wirklich lohnt, muss Arena selbst entscheiden.

Wo dem Fußball-Unterhaltungs-Zuschauer die Contenance abhanden kommt, ist bei Kommentatoren wie Günther Koch. Der wird seit seiner Teilhabe an der Bundesliga-Konferenz im ARD-Radio als „Kultreporter“ gehandelt. Dort konnte er sich und seine „blinden“ Zuhörer immer in die Illusion eines Mega-Spiels hineinphrasieren. Wo Koch war, war Emotion. Das Fernsehen ist viel grausamer als der Hörfunk. Am Samstag hat Koch das Spiel seiner „Clubberer“ aus Nürnberg gegen die Bayern aus München kommentiert. Dass ein einzelner Mensch so viel Unheil anrichten kann! Mehrfach hat er Auswechslungen angekündigt, die nicht vollzogen wurden, und Tore angekündigt, die nicht fielen. Dann wieder trudelte er in die Tiefen der Derby-Historie – Günther Koch muss gefühlte 94 Jahre alt sein –, um sich via nächstem Satz in die Zicken-Beziehung der Bayern und der Franken hinaufzuschrauben. Sobald ein TV-Kommentator den Zuschauern detailfein ausbreitet , was „sie gerade sehen“, wird es allerhöchste Zeit, dass die Kollegen den Kommentator zur Seite nehmen und ihm nur diesen einen Rat geben: „Lieber Günther, du bist nicht mehr beim Radio, du arbeitest jetzt beim Fernsehen. Sprich uns nach: F-e-r-n-s-e-h-e-n.“

Ansonsten sind die ersten drei TV-Bundesligawochen unfallfrei vorübergezogen. Die einzige Situation mit Nachhall gab es am Dienstag, nach der ARD-Übertragung der Champions-League-Qualifikation des HSV. Monica Lierhaus also fragte den HSV-Trainer: „Warum schwitzen Sie so, Herr Doll?“ Eine hammerharte Frage, besonders, wo Monica Lierhaus von Wesen und Selbstverständnis her als hochattraktives Nummerngirl in der „Sportschau“ arbeitet. Chapeau, Frau Lierhaus! Das war, wie wir Fachleute sagen, eine sehr intensive Situation.

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