Medien : Westerwelle darf nicht zum Fernseh-Duell

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Auch nach der Nominierung von Guido Westerwelle zum Kanzlerkandidaten seiner Partei wollen die Fernsehsender ARD, ZDF, Sat 1 und RTL den FDP-Politiker nicht zum TV-Duell einladen. Man halte an den Planungen mit Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und seinem Unions-Herausforderer Edmund Stoiber für den 25. August und 8. September fest, sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Er kann sich dabei auf die Einigkeit der übrigen Sender verlassen. Laut Brender seien neben dem Duell zwei Fernseh-Runden mit den kleineren Parteien am 18. August und 17. September geplant. „Wir werden Hearings veranstalten. Dort haben diese Parteien ihre Chance – aber zum Duell nicht.“

Die FDP lässt derzeit prüfen, ob das geplante TV-Duell zwischen Schröder und Stoiber verfassungsgemäß ist. Allerdings, so ist aus der Parteizentrale zu hören, sind keine juristischen Schritte geplant, mittels derer Westerwelle in die „Duelle“ eingeklagt werden soll. Die Strategie der Liberalen geht eher dahin, aus der erzwungenen Abwesenheit des FDP-Chefs Kapital zu schlagen. Mögliches Motto: Die großen Parteien lassen uns nicht ins Fernsehen. Wohin die FDP-Strategie auch immer laufen wird, ZDF-Chefredakteur Brender fürchtet die juristische Auseinandersetzung nicht. „Auch wir haben es rechtlich prüfen lassen.“ Das Verfassungsgericht mache nur eine „abgestufte Chancengleichheit“ zur Vorgabe.

Auf die beiden Fernsehduelle haben sich die Sender ARD, ZDF, RTL und Sat 1 mit Schröder und Stoiber Ende April verständigt. Das erste Streitgespräch soll von den Privatsendern, das zweite von den Öffentlich-Rechtlichen ab 20 Uhr 15 übertragen werden. Und siehe da, Guido Westerwelle soll an diesen Abenden auch ins Hauptabendprogramm. ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann bestätigte dem Tagesspiegel „konkrete Gedankenspiele“ seines Senders, die „Sabine-Christiansen“-Ausgabe am 25. August zu einem Duell zwischen Westerwelle und dem Grünen-Spitzenpolitiker Joschka Fischer umzufunktionieren. Gehen die Scheinwerfer bei RTL und Sat 1 zu Schröder/Stoiber gegen 22 Uhr aus, dann könnten sie im Ersten beim Duell Westerwelle/Fischer angehen. Der Privatsender RTL denkt in die gleiche Richtung. Kaum werden Schröder/Stoiber bei ARD und ZDF am 8. September ausgeredet haben, sollen Westerwelle/Fischer direkt danach im RTL-Studio zu diskutieren beginnen. Allerdings, eine Voraussetzung für das spitzbübische Verhalten dieser beiden Sender gegenüber Sat 1 und ZDF ist noch nicht erfüllt: die Zusagen von Westerwelle und Fischer. Joachim Huber

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