Medien : Westliche Medien: Der fremde Blick

Caroline Fetscher

Wenn CNN erstmal im Land ist, davon ist Snezana R. in Skopje überzeugt, "dann heißt das Krieg". CNN ist angekommen in Mazedonien. Der Krieg nicht. Jedenfalls nur ein begrenzter Bürgerkrieg. Die ihn anzettelten, haben auf den CNN-Effekt - auf Aufmerksamkeit - gehofft: Inzwischen wissen auch Rebellen, was mediale Globalisierung ist. Die UCK demonstrierte ihre Erkenntnis früh, bei einem Besuch Richard Holbrookes in Nordalbanien 1998, als sich ungefragt ein bewaffneter Kämpfer in Uniform neben den überraschten Gesandten der USA setzte, um weltweit auf CNN-Bildschirme zu gelangen: "Wir und die USA" sollten die Bilder übermitteln. Aber auch die Medien lernen dazu.

Von BBC bis RTL, von "El Pais" bis "Washington Post" sind sie wieder in Balkan-Alarm, viele Sender haben provisorische Studios in den großen Hotels von Skopje bezogen. Davor parken sie ihre kugelsicheren Kastenwagen mit riesigen Satellitenschüsseln. Kinder bestaunen das schwere Gerät.

Vielen Medienmachern aus dem Westen ist nicht klar, wie sehr sie inzwischen weniger für England, Holland oder Spanien berichten, als für die Bevölkerung in dem Land, aus dem sie senden oder schreiben. Eine albanische Fernsehstation in Washington etwa sendet BBC- oder CNN-Berichte mit Untertitel und Kommentar. Wie jetzt auch in Serbien, bringen vor allem private Sender CNN-Berichte untertitelt in ihren Nachrichten. Nicht nur, weil einheimische Medien oft wenig verlässlich erscheinen, sondern auch, weil der Blick des Auslands aufs Inland entscheidend ist: für Kredite, Finanzierungen, militärische Hilfe, den Ruf des Landes.

Ein Interview, das der Kopf der gemäßigten albanischen Partei in Mazedonien, Arben Xhaferi, unlängst der "Welt am Sonntag" gab, hatten am Montag und Dienstag darauf auch Automechaniker und Verkäuferinnen im Internet gelesen. "Da hat er die Wahrheit gesagt!" meint ein albanischer Zahntechniker in Tetovo: "Seit zehn Jahren streiten wir für unsere Rechte, und nichts tut sich." Schlimme Propaganda sei das Interview, sagt ein mazedonischer Weinhändler, der sich den Text nachübersetzen ließ, weil er der Version im Netz nicht traute.

Beide Seiten - Mazedoniens Regierung wie die Rebellen - wollen die Westpresse auf ihre Seite ziehen, beide sind beleidigt, wenn die Manipulation nicht klappt - sei es, weil sich die Medien um Unabhängigkeit bemühen, oder weil sie Informationen verkürzt und mit Halbwissen ausgestattet wiedergeben. Mitunter ist der Ärger berechtigt. Etwa, wenn ein deutscher Radioreporter ein Interview mit einem Vetreter der albanischen Partei DPA auf die Aussage reduziert, die DPA teile "ihre Ziele mit den Rebellen".

Anders ist es, wenn Westmedien schlicht versuchen, beide Seiten zu schildern. Schon das kann heftige Empörung auslösen. Einem BBC-World-Bericht, der Szenen von ärmlichen Lebensverhältnissen albanischer Mazedonier zeigte, gelang das. Sogar Präsident Ljubco Georgievski erwähnte in einer Krisenrede an die Nation die "verzerrende Reportage" von BBC. Vor Dutzenden laufender Kameras aus aller Welt sprach er, offenbar aus Ärger über die Westmedien, mazedonisch. Ohne Übersetzung. Eine Dolmetscherin wurde in letzter Sekunde von der Arbeit abgehalten. Erst zwei Tage später bekam die protestierende "Westpresse" eine getippte Übersetzung nachgeliefert. Man hatte es sich nochmal überlegt.

So wie die neue - mazedonische - UCK damit zurechtkommen muss, dass "der Westen" allmählich begreift, dass Mazedonien nicht mit Kosovo zu vergleichen ist, so lernen auch die mazedonischen Politiker und Medien in dieser Krise. Vielleicht beginnen sie sogar demnächst mit Gesprächsrunden im Fernsehen - eine bisher völlige unbekannte Sache in einer Welt, wo Dialog erst gelernt wird.

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