"Wetten, dass..?" : Maues Halbfinale für Markus Lanz

Volksnah, kränkelnd, wahnsinnig: Am Wochenende, an dem alle vom 9. November reden, wurde in Graz „Wetten, dass..?“ über die Bühne gebracht. Gestört hat das keinen.

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Markus-Lanz-Bashing soll ja eine beliebte Mode in der Medien-Kritik geworden sein. Wenn man sich so unter Markus-Lanz-Verteidigern umhört, ist da die Lust am (Hin-)Richten größer als das Gebot der Fairness. Auf der anderen Seite macht es einem der Moderator von „Wetten, dass..?“ auch nicht leicht, etwas Gutes an seiner Art der Präsentation, seiner Art der Interviewführung zu finden. Auch nicht bei der vorletzten Ausgabe von „Wetten, dass..?“, die am Samstagabend in Graz über die Bühne gebracht worde und im 9.-November-Trubel fast ein bisschen untergegangen ist.

Die Ausgangslage war klar. Halbfinale für Moderator Markus Lanz und „Wetten, dass..?“, einst die renommierteste Fernsehshow Europas, mittlerweile ein Sorgenkind des ZDF. Auch diesmal schalteten nur 5,49 Millionen Zuschauer ein, fast genauso wenig wie beim letzten Mal. Früher waren das mehr als doppelt so viel. Da kann man ja eigentlich befreit aufspielen, zu verlieren gibt’s sowieso nichts mehr. Zudem ein paar gute, alte Bekannte eingeladen waren wie Iris Berben, Herbert Grönemeyer oder der immer smarte Hugh Grant, dessen große Erfolge ähnlich weit zurückliegen wie die der Show. Hugh Grant wird nicht granteln wie Will Arnett oder Tom Hanks, die zuletzt bei Lanz auf der Couch saßen und sich hinterher wunderten, was für eine seltsame Fernseh-Veranstaltung das doch ist.

Alles Österreich, oder was?


Die Redakteure hatten sich etwas einfallen lassen: die Durch-Österreichisierung der Show. Volksmusikrocker Andreas Gabalier machte den Opener. Nanu, traut sich Lanz jetzt gar nicht mehr raus? Doch, doch, er kam, der Gastgeber strahlte, in Trachtenlederhose. „Schönen guten Abend, Deutschland, Österreich und die Schweiz“. Ein Witz zum Warmwerden: In Österreich fahren die Züge. In Deutschland seit Samstag 18 Uhr auch wieder, Herr Lanz.

Stimmt, es ist schon viel geschrieben und kritisiert worden über die allzu stereotype Begeisterungsfähigkeit des Moderators. Die Gäste bei „Wetten, dass..?“ „Ein Wahnsinn.“ Das Publikum in der Grazer Halle? „Ein Wahnsinn.“ Die Auftritte von Andreas Gabalier vor 38000 Zuschauern? „Ein Wahnsinn.“ Die Kicker von Sturm Graz? Ein Wahnsinn. Nein, das sagte Markus Lanz nicht. Niemand erwartet am Samstagabend im ZDF kluge Gespräche à la Alexander Kluge. Aber bei Thomas Gottschalk steckte das Geplauder in Leib und Seele, bei Markus Lanz wirkt der Geist des Smalltalks in so einer großen Show stets wie eine Zwangsjacke. Er war und ist bei „Wetten, dass..?“ nie bei sich selbst.

Vermisste Person des Abends


Ein halbwegs gepflegter Samstagabend-Zeitvertreib war’s trotzdem. Die ganz großen Hollywood-Stars haben längst erkannt, dass es sich nicht mehr lohnt, für fünf Millionen Zuschauer in die Show zu kommen und Werbung für ihren Blockbuster-Film zu machen. Die vermisste Person des Abends, Josh Hutcherson, war leicht zu verschmerzen. Der US-Schauspieler hat die Grippe, wie Iris Berben, die tapfer auf der Couch Platz nahm. Zumindest jüngere Zuschauer im Saal hatten ihren Spaß mit dem deutschen Topmodell Toni Garrn oder Hutchersons Kollegen Jennifer Lawrence und Liam Hemsworth aus dem Film „Die Tribute von Panem“, dessen dritten Teil sie bewerben mussten. Abgang der kränkelnden Hollywood-Stars, wie gewohnt, nach einer halben Stunde Absitzen im ZDF. Da konnte auch Dr. Hirschhausen auf der Wett-Couch nicht mehr helfen.

Mit Gästen wie der Boy-Schmuse-Band One Direction und der sympathischen österreichischen ESC-Gewinnerin Conchita Wurst passte sich auch der musikalische Teil den heruntergedimmten Glamour-Bedürfnissen von „Wetten, dass..? an. Wettkönig wurde Gedächtnisakrobat Christian Schäfer aus Würzburg mit seinem Unterwasser-Memory. Ihm gelang es im Pool, 30 Bilder in auswendig gelernter Reihenfolge richtig zu sortieren.

Kurzum: Ausgabe 214 des Show-Klassikers hängt im Schrank. Vielleicht kommt noch mehr dazu. Es halten sich die Gerüchte, dass das ZDF in Ermangelung an Show-Alternativen schon 2015 auf „Wetten, dass..?“ zurückgreifen könnte, vielleicht mit Thomas Gottschalk. Der ist aber noch bei RTL unter Vertrag.

Bringen wir erst mal das Finale am 13. Dezember hinter uns. Bis dahin wird sich die Redaktion ein paar zugkräftige, internationale Gäste einfallen und Markus Lanz einen Schnauzbart wachsen lassen müssen. Der Südtiroler hat die Stadtwette gegen Graz und Andreas Gabalier verloren. Auch das noch.

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