Wetten, dass..? : Warum Markus Lanz es beim jungen Publikum schwer hat

06.10.2012 00:00 Uhrvon
Auch Markus Lanz ist skeptisch. Am Samstag muss er „Wetten, dass..?“ quotenmäßig zum Erfolg führen. Auf die junge Zielgruppe kann er dabei nicht setzen. Foto: Roberto Pfeil/dapd Foto: dapd
Auch Markus Lanz ist skeptisch. Am Samstag muss er „Wetten, dass..?“ quotenmäßig zum Erfolg führen. Auf die junge Zielgruppe kann er dabei nicht setzen. Foto: Roberto Pfeil/dapd - Foto: dapd

Die Erwartungen sind hoch. Am Samstag startet die Neuauflage der größten Unterhaltungsshow Europas. Trotzdem wird sie von der jungen Zielgruppe nicht gesehen. Das hat gute Gründe.

Es sollen die besten drei Minuten im Berufsleben von Markus Lanz werden, hat er gesagt. Der Moment, in dem er auf die große Showbühne in Düsseldorf schreitet. Wie er mit großer Geste das Publikum begrüßt. Eben jene drei Minuten, in denen ganz Fernsehdeutschland auf dem Sofa sitzt und zusieht, wie Markus Lanz am Samstag das allererste Mal „Wetten, dass..?“ moderiert. Genauer gesagt nicht ganz Fernsehdeutschland. Aber acht Millionen sollten es schon werden. Eigentlich nur mehrheitlich der Teil von Fernsehdeutschland jenseits der 60. Zumindest legt dies eine Umfrage des „Stern“ nahe. Das ist nur fair. Schließlich zahlt diese Generation ja auch schon am längsten die Rundfunkgebühren an das ZDF.

Doch es zeigt auch: Der Hype, der um die Sendung gemacht wird, lässt das junge Publikum kalt. Und das hat gute Gründe.

Der Moderator

Am Anfang steht Markus Lanz. Mit 43 Jahren kein Jungspund mehr, aber auch nicht gerade die Grande Dame des deutschen Fernsehens. Nicht ohne Esprit, aber auch kein Letterman. Lanz zu zusehen, ist wie mit einem Opel Astra mit 140 Sachen auf der Mittelspur zu fahren. Irgendwie okay. Das junge Publikum liebt oder hasst seine Stars. Man kann Joko und Klaas für geniale Comedians oder infantile Hampelmänner halten, Charlotte Roche als furchtlose Tabubrecherin oder Skandalnudel sehen, aber man muss sich zu ihnen verhalten. Lanz hingegen ist einfach nur nett. Zu nett?

Das Konzept

Genau diese Profillosigkeit könnte dem neuen „Wetten, dass..?“ insgesamt zum Verhängnis werden. Voller Ehrfurcht haben die Programmverantwortlichen beim ZDF und Markus Lanz selbst nur behutsame Veränderungen am Jahrzehnte alten Konzept der Sendung vorgenommen und so womöglich die Chance verpasst, die Show wirklich einem jüngeren Publikum zugänglich zu machen. Zu bemüht ist etwa die sogenannte „Lanz Challenge“, eine Art entschärfte Version von „Schlag den Raab“, bei der Lanz gegen Kandidaten aus dem Publikum antritt. Doch anders als beim fiesen Metzger aus Köln, würde man es Lanz ja geradezu gönnen zu gewinnen. Er ist doch so ein Netter (siehe oben).

Das Retro-Paradox

Lanz selbst besaß immerhin die Chuzpe, das altbackene Konzept zum Trend zu erklären. Die Show sei „old school“. Was Lanz und Musiklehrerinnen mittleren Alters, die um jugendlich zu wirken, Worte aus dem Rap-Jargon in ihre Sprache einfließen lassen, nicht wissen: Zu „old school“ gehört eben auch „credibility“. Authentizität. Zwar stimmt es, wenn Lanz bei jungen Leuten einen Hang zum Retrotrend ausmacht. Doch die Erich-Honecker-Gedächtnisbrille, die junge Hipster mögen, sollte schon aus dem „Second Hand“-Laden sein, oder wenigstens von Opa. Lanz ist eben nicht Gottschalk.

Die Konkurrenz

Denn der ist ja jetzt bei RTL und sucht das „Supertalent“. Quotenmäßig ist das am Samstag die größte Konkurrenz für Lanz. Alle sechs Minuten ein neuer Auftritt, Fremdschämen für die Kandidaten, Dieter Bohlen als Bösewicht und die klitzekleine Chance auf den großen Ruhm: Die Show hat einfach alles, auf das sich die werberelevante Zielgruppe über die Jahre hat konditionieren lassen. Das kann man bedauerlich finden. Aber es ist so.

Das Internet

„Wetten, dass..?“ – und das müssen sich jüngere Zuschauer erst einmal vorstellen – stammt aus der Zeit vor dem Internet. Als man sich also noch zusammen vor dem Fernseher versammelte, damit man am nächsten Tag im Büro mitreden konnte. Passiert heute wider Erwarten doch etwas Aufregendes während der Live-Show, ist es spätestens fünf Minuten später auf Youtube. (Oder in unserem Tagesspiegel Liveblog!) Das kostet Einschaltquoten, lässt aber Zeit für andere Dinge. Zum Beispiel dafür, wirklich etwas mit der Familie zu unternehmen.

„Wetten, dass..?“, 20 Uhr 15, ZDF

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