Wetterfrosch : „Der Mensch ist sehr robust“

Uwe Wesp hört als ZDF-Wetterfrosch auf. Ein Gespräch über Vorhersagen, Klimawandel und Ehefrauen

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Sonne im Herzen. Uwe Wesp moderiert am 29. September 2007 im ZDF seinen letzten Wetterbericht. -Foto: dpa

Herr Wesp, vor 32 Jahren haben Sie als Wetterfrosch angefangen. Wissen Sie noch, wie das Wetter damals war?

Ja, sicher. Wir hatten ein Tiefdruckgebiet über Mitteleuropa, das uns nicht nur Freude machte.

Was hat sich in all den Jahren mehr verändert: das Wetter oder der Wetterbericht?

Das Wetter. Aufgrund des Klimawandels.

Was ist eigentlich Wetter?

Das Wetter ist der physikalisch-chemische Zustand zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort. Wetter ist also immer und überall. Dann gibt es noch den Begriff der Witterung: Wetter über einen relativ kurzen Zeitraum betrachtet. Und wenn wir das Wetter über einen Zeitraum von dreißig Jahren hinweg betrachten, dann können wir eine Aussage zum Klima machen.

Dann sind Sie ja genau unser Mann: Wie steht es denn nun mit der Klimakatastrophe? Haben Sie etwa schon vor 30 Jahren gewusst, dass sie kommen würde?

So ist es. Die Wissenschaft hat schon damals darauf hingewiesen, dass sich in der Atmosphäre etwas tut. Es gab Anzeichen. Wir haben sogar Prognosen erstellt. Und ob Sie es glauben oder nicht: Unsere Prognosen waren ziemlich genau, wie sich jetzt herauszustellen beginnt. Die Natur ist wie ein Elefantengehirn. Sie merkt sich alles. Was wir heute erleben, ist nichts anderes als die Folge der Emissionen der siebziger Jahre.

Was können wir tun?

Wir haben es mit einem irreversiblen Vorgang zu tun, da ist nichts mehr rückgängig zu machen. Die Veränderungen sind da. Zu Anfang des letzten Jahrhunderts zum Beispiel regnete es im Sommer mehr als im Winter. Das ist heute genau umgekehrt. Der Winter ist also wärmer geworden. Und es wird so bleiben, das haben alle unsere Vorausberechnungen ergeben.

Die Katastrophe ist also längst da.

Aber es gibt Hoffnung. Der Mensch ist sehr robust und anpassungsfähig, ich möchte fast sagen, so wie Unkraut. Dagegen können sie auch nichts machen, das kommt immer wieder. Ich glaube nicht, dass die Menschheit aussterben wird. Die große Frage ist: Was wird mit der Umwelt passieren?

Bräuchten wir unter diesen Voraussetzungen nicht einen ganz anderen Wetterbericht?

Ganz im Gegenteil. Es wird immer wichtiger zu wissen, wie das Wetter gerade morgen oder übermorgen sein wird. Weil die Ausschläge immer größer werden. Weil die extremen Wetterlagen weiter zunehmen werden. Und weil die Menschen dann ganz genau wissen müssen, was auf sie zukommt, damit sie entsprechend reagieren können, wenn es ernst wird.

Es kann also gar nicht genug Wetterberichte geben.

Wenn Sie ein oder zwei Mal täglich informiert werden, wie das Wetter wird, dann halte ich das für durchaus ausreichend. So schnell ändert sich das Wetter nun auch wieder nicht. Interessant wird es immer dann, wenn sich das Wetter anders entwickelt als prognostiziert. Dann müssen wir reagieren. Aber das kommt nicht jeden Tag vor.

Ihre TV-Konkurrenz organisiert das Wetter immer öfter als Show. Was halten Sie von Wetter-Girlies?

Wenn Sie daran denken, dass das Wetter, siehe Afrika, über Leben und Tod entscheiden kann, dann verbieten sich aus meiner Sicht jede Showeinlagen. Das Wetter ist eine viel zu ernste Sache, als dass man damit seine Scherze treiben sollte.

Wie genau sind Ihre Voraussagen?

Wir gehen davon aus, dass wir das Wetter der kommenden fünf Tage einigermaßen präzise vorhersagen können. Aber es bleiben immer Ungewissheiten. Das wird sich aber in den nächsten Jahren dramatisch ändern. Unser Problem heute sind Rechner mit zu geringer Rechenkapazität, die für solche zukünftigen Rechnungen heute noch fünf Stunden und mehr benötigen würden. In absehbarer Zeit wird das in einer oder zwei Stunden möglich sein. Und dann werden wir tatsächlich so präzise vorhersagen, wie wir uns das heute nur wünschen können.

Sie können sicher nicht ohne Wetter. Was machen Sie als Erstes nach dem Aufstehen?

Ich trete ans Fenster, um zu sehen, wie das Wetter wird. Ich habe allerdings nur einen kleinen Ausblick, deshalb kann ich nicht allzu viel Himmel überblicken. Leider.

Sind Sie ein Wetter-Junkie?

Das nun nicht gerade. Aber ich will schon wissen, wie das Wetter wird. Schließlich habe ich es selbst vorher gesagt.

Ist es nicht im Grunde vollkommen wurscht, welches Wetter gerade herrscht?

Mir schon. Aber Sie – oder Ihre Frau - werden das vielleicht etwas anders sehen, wenn Sie mit Ihrer Familie einen Badeausflug an den Wannsee planen. Oder eine Fahrradtour ins Umland. Und vergessen Sie mir nicht unsere Landwirte. Wenn die über Wochen keinen Regen gesehen haben, dann verfolgen sie jeden Wetterbericht vor dem Fernseher.

Was sagen Sie Ihrer Frau, wenn die sie fragt, ob eine leichte Jacke genüge oder ob sie nicht doch besser einen Mantel anziehen solle?

Ich schicke sie auf den Balkon. Nicht weil ich sie schikanieren will. Sondern weil jeder Mensch sein eigenes Wetterempfinden hat. Dem sind auch wir Wetterfrösche machtlos ausgeliefert.

Das Interview führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

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