Wettkampf der Suchmaschinen : Der Mond ist aufgegangen

Small is beautiful - nach diesem Leitsatz funktioniert die Startseite von Google. Ganz anders arbeitet Bing von Microsoft. Spannende Einstiegsbilder sorgen bei dieser Suchmaschine für einem Blitzstart.

Adrian Pickshaus
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Wer ist schneller? Die Suchmaschine Bing (li.), teilt die Erfahrung vieler Konkurrenten: Google ist schon da. -Foto: Promo

Bing erzeugt „Ui“-Effekte. Denn die neue Internet-Suchmaschine des amerikanischen Software-Riesen Microsoft funktioniert vor allem als digitale Fototapete. Strände, Dschungel, Gipfel – atemberaubende Landschaftsaufnahmen zieren die Startseite der Online-Suche, mit der die ewige Marktführerschaft von Google attackiert werden soll. Im täglichen Wechsel können die Nutzer faszinierende Momentaufnahmen aus entlegenen Winkeln des Planeten bestaunen. Das weckt die Sehnsucht und das Fernweh – vor allem, wenn der deutsche Sommer sich wieder einmal als vorgezogener Herbst präsentiert. Nur etwas suchen sollten Foto-Eskapisten möglichst nicht. Denn die Trefferlisten von Bing zeigen sich genauso aufgeräumt und bilderlos wie beim tonangebenden Konkurrenten.

Google erlaubt Layout-Experimente ja nur zeitweilig: An Feiertagen, zu Sportereignissen oder an Geburtstagen berühmter Persönlichkeiten wird das zartbunte Logo verändert. Eigentlich eine Todsünde, glauben Marketingexperten. „Aber zum Google-Image passt diese Verspieltheit“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Keuchel. Erst neulich wurden die beiden Google-Os aus zuckenden Blitzen geformt, die aus einer seltsamen Apparatur emporschossen. Der Grund: Vor 153 Jahren wurde der aus Kroatien stammende Erfinder Nikola Tesla geboren. Tesla gilt als kreativer Vordenker einer freien Energieversorgung. Das Internet ist voll von Verschwörungstheorien zu seinem Werk.

Kein Mysterium ist hingegen, wer das Google-Logo in unregelmäßigen Abständen in so ein „Doodle“ – Englisch für Gekritzel – verwandelt. Dennis Hwang heißt der Mann, der eigentlich Webmaster ist und von Zürich aus den Schriftzug seines Unternehmens am Muttertag auf rosa Tulpen bettet. Erlaubt ist bei den „Doodles“ fast alles, nur Symbole aus Religion und Politik seien Tabu, sagt Keuchel. „Während der Proteste im Iran haben wir viele Mails bekommen: Wir sollten unser Logo grün färben. Das haben wir nicht gemacht.“ Ein weltweit agierendes Unternehmen könne sich so etwas nicht erlauben.

Auch Microsoft ist ein Global Player, die Suchmaschine Bing ist aber längst nicht so bekannt wie ihre mächtige Konzernmutter. Der Bing-Start liegt gerade anderthalb Monate zurück, ein Image muss erst etabliert werden. „Wir wollen nicht wie Google sein“, sagt MicrosoftProduktmanager Frank Fuchs fast trotzig. Mit der bebilderten Startseite wolle das Unternehmen emotionalisieren und bei der Suchmaschinen-Optik neue Maßstäbe setzen. Denn: „Der puristische Ansatz ist ja schon belegt.“ Kundenbindung solle erreicht, dauerhaftes Interesse für die Suchmaschine durch die spektakulären Fotos geweckt werden. Dafür gibt es im Microsoft-Hauptquartier im US-amerikanischen Redmond eine eigene Fotoredaktion. Die Mitarbeiter wählen die Bing-Bilder aus dem Fundus großer Agenturen wie Getty Images und Corbis aus. Künftig würden die Aufnahmen aber stärker regionalisiert, sagt Fuchs. Bis jetzt läuft in Deutschland nur eine Test-Version der Suchmaschine. Wenn die Beta-Variante Geschichte ist, sollen von München aus auch Sonderaktionen speziell für deutsche Bing-User starten. Global passiert das bereits. Zurzeit können sich Nutzer des sozialen Netzwerks Facebook mit ihren besten Urlaubsfotos für die weltweite Startseite bewerben.

Konkurrent Google kann die Entwicklung bei Bing gelassen verfolgen. Gerade veröffentlichten die Webanalysten von Statcounter erste valide Zahlen für die Nutzung von Bing in den USA. Demnach konnte die Online-Suche im Startmonat Juni einen Marktanteil von 8,23 Prozent für sich verbuchen. Im Mai brachten es die alten Microsoft-Suchmaschinen um Live Search auf 7,81 Prozent. Bing hat Microsoft bisher also nur einen Zuwachs von knapp einem halben Prozent beschert. Google hingegen liegt bei 78,48 Prozent, dahinter folgt weit abgeschlagen Yahoo mit 11,04 Prozent.

Mit extravagantem Web-Design hat der Erfolg von Google wenig zu tun. Die Startseite, die nach Expertenschätzungen im vergangenen Jahr von rund 180 Millionen Menschen täglich besucht wurde, ist vor allem weiß. Über dem Suchschlitz thront das sanftrunde Buchstabenlogo. „Der Minimalismus hat seinen Ursprung in der Geschichte“, sagt Google-Sprecher Stefan Keuchel. In den Anfangszeiten des Internets seien schnelle Breitbandverbindungen noch Zukunftsmusik gewesen, Fotos und grafischer Schnickschnack hätten den Seitenaufbau nur verzögert. Langsamkeit aber ist tödlich für eine Suchmaschine. Zudem sei die Seite alleine durch ihre Gestaltung intuitiv zu bedienen: Ein Schlitz, in den ein Wort einzugeben ist. Den Begriff eintippen, dann „Enter“ drücken. Das verstehe und könne jeder. Und schließlich gebe es ein Kriterium, dem sich alle Design-Aspekte unterzuordnen hätten: „Die Qualität der Suchtreffer muss besser sein als die der Mitbewerber.“ Zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik können die Google-User den Look der Suchmaschine mitgestalten. Der Wettbewerb endet im August. Erste Logo-Entwürfe sind bereits online, der beste Entwurf wird die Google-Startseite am Tag der Deutschen Einheit krönen. Vielleicht zeigt Bing an diesem Tag ja ein Bild vom Brandenburger Tor.

www.bing.com

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