Medien : Wie lange bleibt Aust „Spiegel“-Chef?

Ulrike Simon

Ganz im Sinne von „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust scheint die Gesellschafterversammlung am Mittwoch nicht verlaufen zu sein. Nach den in verschiedenen Zusammensetzungen bis zum Nachmittag dauernden Sitzungsketten erklärten die Gesellschafter lediglich, dass sie sich „auf die Eckdaten der Vertragsverlängerungen mit Aust und dem Geschäftsführer Karl Dietrich Seikel geeinigt“ hätten. Die offizielle Sprachregelung lautet: „Die Vertragsangebote werden umgehend ausgearbeitet und sollen zeitnah verhandelt und zum Abschluss gebracht werden.“

Die Vertragsverhandlungen um Chefredaktion und Geschäftsführung sind die ersten nach Rudolf Augsteins Tod vor zwei Jahren. Zwar hat Jakob Augstein am Mittwoch die Erben in der Gesellschafterversammlung vertreten. Doch allein Gruner + Jahr (jetzt 25,5 Prozent) und die Mitarbeiter KG (50,5 Prozent) haben jetzt die Entscheidungsmacht. Die Gespräche zwischen allein drei Parteien seien in konstruktiver und kooperativer Atmosphäre verlaufen, hieß es.

Der vom Fernsehen kommende Aust ist seit Dezember 1994 Chefredakteur des „Spiegels“ und war von Beginn an umstritten. Für ihn spricht die stabile Auflage von 1,01 Millionen Exemplaren. Im Dezember 2005 läuft Austs Vertrag aus. Dem Angebot, ihn zu verlängern, ging massive Kritik an dem 58-Jährigen voraus – in den vergangenen Wochen auch aus den Reihen seiner Befürworter. Ihm wird vorgeworfen, sich von persönlichen Interessen leiten zu lassen und zu Springer eine zu große Nähe zu pflegen. Eine Alternative zu Aust sieht derzeit niemand.

Die verklausulierte Erklärung der Gesellschafter am Mittwoch lässt nur einen Schluss zu: Austs Vertrag wird verlängert, aber nicht nach seinen Vorstellungen, also nicht um fünf Jahre. Fraglich ist, ob sich Aust mit einer Verlängerung um nur drei Jahre abfinden würde. Sollte das der Fall sein, müssen die Gesellschafter bis 2008, wenn Seikel und Aust, beide Jahrgang 1946, den Verlag verlassen, geeignete Nachfolger finden und einen Generationswechsel einläuten. Stimmt Aust dem Angebot nicht zu, geht die Personaldebatte ebenfalls weiter.

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