Medien : Wie viel Würze liegt in der Kürze?

Der Festakt zu 40 Jahren „Monitor“ gerät zur Diskussion über Zukunft und Länge der ARD-Magazine

Thomas Gehringer

Es war der Tag der Bekenntnisse. „Ich habe gegen die Kürzung gestimmt“, beteuerte Ulrich Deppendorf. „Ich werde für das WDR-Modell stimmen“, erklärte Fritz Pleitgen. Der Fernsehdirekor und der Intendant aus Köln lehnten gestern die Verkürzung der politischen Magazine in der ARD von 45 auf 30 Minuten ab. Alles andere wäre bei dem Festakt zum 40-jährigen Bestehen von „Monitor“ auch unpassend gewesen. Dass sie wohl unterliegen werden, ist kein großes Geheimnis. Nächste Woche entscheiden die ARD-Intendanten, welche Folgen die geplante Vorverlegung der „Tagesthemen“ auf 22 Uhr 15 haben soll.

Die große Mehrheit der ARD-Fernsehdirektoren hat sich bereits für die Rasenmäher-Lösung entschieden: Alle sechs Magazine – „Monitor“, „Panorama“, „Report“ (München, Mainz), „Kontraste“ und „Fakt“ – sollen montags und donnerstags mit 15 Minuten weniger auskommen. Der WDR-Vorschlag, vier von sechs Magazine seltener, dafür aber 60 Minuten lang auszustrahlen, wurde verworfen. „Monitor“ hatte sogar eine Langversion produziert – mit wenig Erfolg.

„Monitor“-Chefin Sonia Mikich probierte es mal mit Humor, mal mit Überzeugungskraft. „Straffung? Nein, auch unsere durchschnittlichen Ausgaben haben keine Cellulitis.“ Eine Verkürzung würde nur den Trend zum schnellen Kick befördern: zu Magazinbeiträgen, die sich verstärkt auf Aktualität beziehen und Pseudo-Skandale produzieren. Mikich nennt das „Info-Brause: kurzes Aufschäumen und ein schaler Nachgeschmack“. Aber da ARD-Programmdirektor Günter Struve ebenfalls eingeladen war, entwickelte sich der Festakt zu einem munteren Schlagabtausch. „Länge ist auch keine Qualität“, hielt er dagegen. Es sei eine „selbst gesetzte Pression, möglichst viele Beiträge bieten zu wollen“. Stattdessen könne man sich auf zwei Themen konzentrieren und „in die Tiefe gehen“. Von Mikich befragt, wie er sich die Zukunft der politischen Magazine im Ersten vorstelle, hatte er ein Bekenntnis parat: „Monitor“ solle als Meinungsmagazin den Zuschauer ärgern, aufregen oder befriedigen. „Werden Sie politischer und meinungsfreudiger!“

Der WDR strebt gar eine umfassendere Reform des Abendprogramms im Ersten an. Fernsehdirektor Deppendorf schlägt einen „Polit-Montag“ vor, mit einem einstündigen Magazin nach der „Tagesschau“ sowie einem Feature oder einer Dokumentation ab 21 Uhr 15 bis zu den „Tagesthemen“. Am Donnerstag sei die Zeit für Wissenschafts- und Kulturmagazine gewonnen, denn Deppendorf will die Zahl der Polit-Magazine von jetzt sechs auf drei reduzieren. Soll heißen: je eins aus dem Osten, Süden und Nordwesten, die sich montags wöchentlich abwechseln. Jeweils „Monitor“ (WDR) und „Panorama“ (NDR), „Kontraste“ (RBB) und „Fakt“ (MDR) sowie die beiden „Report“-Ausgaben (BR, SWR) sollen zusammengelegt werden. Eine Idee mit Zukunft? Struve ging nicht näher auf den Vorschlag ein, bemerkte nur: „Wir können niemandem ein Magazin wegnehmen.“ Und auch Sonia Mikich betonte: „Jedes Magazin hat bewiesen, dass es eine Daseinsberechtigung hat.“

Gegen eine Verkürzung argumentierte auch Festrednerin Gesine Schwan. Die Präsidentin der Uni Frankfurt/Oder lobte „Monitor“ für den „aufklärerischen und aufdeckenden Journalismus“, tadelte, dass die Magazine nicht zu den Pflichtsendungen politisch Interessierter gehörten, und ermahnte die Medien, das komplexe politische System auch komplex darzustellen. „Gute Politik ist nicht mehr möglich, wenn Medien nur noch mit Skandalisierung und Vereinfachung arbeiten.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben