Medien : Wiesbaden und der böse Wolf

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Das Erschütterndste ist wahrscheinlich, dass der pensionierte Wiesbadener BKA-Präsident Hans-Ludwig Zachert davon spricht, die Charaktere und Handlungs-Grundmuster des zweiteiligen Polit-Thrillers „Operation Rubikon“ (Pro 7, heute und morgen, jeweils um 20 Uhr 15) würden durchaus auch in der Wirklichkeit vorkommen. Zachert, der das Bundeskriminalamt von 1990 bis 1996 leitete, muss wissen, wovon er spricht. Denn er hat Drehbuchautor Andreas Pflüger bei seiner fünfjährigen Recherche-Arbeit fachlich unterstützt.

Das hätte Zachert nicht tun müssen, zumal das Bild, das Autor Pflüger und Regisseur Thomas Berger von dem Wiesbadener Amt zeichnen, nicht eben unkritisch ist. Im Gegenteil: Hier wird nicht schöngefärbt, hier wird am Lack des deutschen Pendants zu Scotland Yard gekratzt, Pflüger und Berg erzählen von nationaler und internationaler Politik, die wie Zahnräder ineinander greifen, von BKA und BND, von Wirtschafts-Verbrechen, Korruption und Machtbesessenheit. Allein schon aufgrund dieses Wagemutes seiner Macher ist „Operation Rubikon“ der Fernsehfilm-Höhepunkt in der, ja, man kann es so pathetisch sagen, ganzen Geschichte des Münchner Privatsenders.

Überdies ist es wohl der erste Film, der das BKA in den Mittelpunkt stellt. Bisher. In den Zeiten von Schlöndorff, von Trotta und anderen renommierten Autorenfilmern und zuletzt auch in der preisgekrönten Pro-7-Produktion „Das Phantom“ kam es immer nur marginal vor. Niemand traute sich ran an den Koloss. Bis jetzt.

Sophie Wolf (Maria Schrader) ist verdammt neu in ihrem verdammt wichtigen Job. Und das ist erst einmal ein Nachteil. Denn Wolf ist Staatsanwältin bei der Bundesanwaltschaft – und Tochter des amtierenden Präsidenten des Wiesbadener Bundeskriminalamtes Dr. Richard Wolf (Hilmar Thate). Bei dem ersten Einsatz, den die junge Wolf leitet, geschieht denn auch prompt ein Unglück: Ein Undercover-Mann des BKA wird umgebracht. Kein guter Einstand für die arrogant auftretende Wolf. Doch egal, was Fahnder Pieper (Justus von Dohnányi) oder Stabschef Grimm (Heiko Deutschmann) auch sagen, Sophie Wolf zieht ihr Ding gegen alle Widerstände durch, überdies verdächtigt sie gar den besten Mann ihres Vaters, den verdeckten Ermittler Gregor Vandreyke (Martin Feifel), zur anderen Seite übergewechselt zu sein. Als die diversen Spuren die Soko „Rubikon“ zum Industriellen Krupka (Jörg Schüttauf) und zu Bundesinnenminister Langheinrich (Christian Redl) führen, dem engsten, besten und längsten Freund Krupkas, da ziehen sich die Fäden allmählich zusammen. Es sind Abgründe, menschliche wie politische, die sich da innerhalb und außerhalb des Bundeskriminalamtes auftun.

Thomas Berger, 42, der sich primär durch tragikomische Filme wie „Busenfreunde I+II“ (1996/1997) oder den ZDF-Fünfteiler „Ein unmöglicher Mann“ (2000) längst schon einen n gemacht hat, packt das heikle Sujet mit dem nötigen Feingefühl an. Er tastet sich vorsichtig an die Figuren und ihre Biografien heran. Zusammenhänge werden ganz allmählich beleuchtet. Berger lässt sich Zeit beim Erzählen.

Es gibt Szenen in diesem hochintelligenten Drama, die sehr emotionsgeladen sind. Denn neben dem politischen Strang gibt es die beiden privaten Geschichten, jene zwischen Sophie und ihrem Vater, Dr. Wolf. Und jene zwischen Sophie und dem BKA-ler Gregor, in den sie sich verliebt. Dass Berger ein herausragendes Ensemble um sich versammelt hat (bewegend: Hilmar Thate und Maria Schrader; erschütternd: Christian Redl und Jörg Schüttauf), mag eine der Trumpfkarten dieser Produktion sein. Und Thomas Bergers Stamm-Kameramann Torsten Breuer findet die passenden Bilder dafür.

Gedreht wurde „Operation Rubikon“ übrigens in Berlin, Hamburg und Lissabon. On location, wie es so schön heißt, also in der hessischen Landeshauptstadt, hat man denn besser nicht gefilmt. Thilo Wydra

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