Medien : Willkür hat auch Vorteile

Thomas Eckert

Die Fifa bekommt es zurzeit von allen Seiten, und zwar nicht zu knapp. Da stellen sie eine der perfektesten WMs aller Zeiten auf die Beine, und was nützt das? Gar nichts. Die Nörgler und Neider, die den Herren um Herrn Blatter nichts als Geldgier unterstellen, sind einfach nicht still zu kriegen. Ja, die Fifa hat sich gerade ein neues Hauptquartier für nicht ganz 400 Millionen Euro in die Schweiz gebaut. Und, klar, hätten nicht vielleicht auch 350 Millionen gereicht?

Wie die Herren die WM vermarktet haben, das erinnert irgendwie an monopolkapitalistische Tendenzen, wenn noch irgendjemand weiß, was ich damit sagen will. Aber deshalb die Fifa gleich auf eine Stufe mit den ganz Bösen dieser Welt zu stellen, bloß weil sie den Ersatzspielern, wenn sie auf der Auswechselbank sitzen, orangene Hemdchen vorschreiben, geht das nicht ein bisschen zu weit?

Einen weiteren Beweis für die Willkürherrschaft der Fifa hat eine Kollegin diese Entscheidung genannt. Das kann schon sein. Aber wer sagt denn, dass Willkürentscheidungen nicht auch ihr Gutes haben können? Die Fifa, diese Ausgeburt des Bösen, hat zum Beispiel entschieden, keine Fieldreporter mehr nach dem Spiel aufs Feld rennen zu lassen. Also keine dusseligen Fragen mehr an verschwitzte Spieler, die völlig außer Atem sowieso immer nur das Gleiche auf die immer gleichen Fragen antworten. Eine Wohltat. Eine Erleichterung. Ein Fortschritt, auf den wir doch längst alle nicht mehr zu hoffen wagten, oder? Stattdessen ein, zwei Fragen an Spieler, die wieder halbwegs bei sich sind und in ihrer Landessprache befragt werden, was die Sache für alle noch leichter macht. Sicher, klar, auch das riecht verdammt nach Willkürherrschaft. Wäre es auch. Wenn die Spieler dabei orangene Leibchen tragen müssten und ausschließlich mit „Deutschland wird Weltmeister“ antworten dürften. Wär’ das nicht schön? Doch, das wär schön.

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