Medien : „Wir illustrieren nur die Stimmung des Tages“

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Die Nachrichtenagentur ddp hat am Tag, als bekannt wurde, dass Angela Merkel Kanzlerkandidatin wird, bewusst alle Bilder aussortiert, die die CDUPolitikerin mit halb geschlossenen Augen, also eher unvorteilhaft, gezeigt haben.

Ein Mitglied der Bildredaktion sagt: „Solche Bilder haben nicht zur Stimmung des Tages gepasst.“ Manipulation sei das nicht, sondern normales Geschäft. Es gehe darum „Geschichten zu illustrieren“, sagt der ddp-Mitarbeiter.

Auch Bernd von Jutrczenka, Bildchef von dpa sagt, dass die Bilder, die an die Redaktionen versendet werden, zur Stimmung des Ereignisses passen müssen. Bewerten wolle man aber nichts, nur darstellen. So sei es zum Beispiel unfair, Bilder von einer Trauerfeier auszuwählen, bei der sich zwei Gäste kurz lächelnd begrüßten, sonst aber zwei Stunden lang ernste Gesichter machten.

Für Kai Gniffke, zweiter Chefredakteur bei „ARD aktuell“, bilden solche „verunglückten“ Fotos von Angela Merkel nicht den Tag ab. Und deshalb lächelte Merkel auch von den Hintergrundbilder der „Tagesschau“. Bildjournalismus funktioniere nach denselben Regeln wie Printjournalismus. „Das ist normales Handwerk“, sagt Gniffke.

Dazu gehöre auch, herauszufinden, ob sich der Dargestellte tatsächlich so gefühlt hat, wie es das Bild zeigt, oder ob er sich nur inszeniert hat.

Einig sind sich alle Bildlieferanten: Angela Merkel gibt sich in diesen Tagen mehr Mühe mit ihrem Äußeren. Schließlich wählt keiner eine griesgrämige Kandidatin zur Kanzlerin. Politprofis müssen eben auch Medien- und vor allem Bildprofis sein. blh

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