Medien : Wir sind Europa

„The German Times“ kommt aus Berlin

Tim Klimeš

Seit Januar präsentiert sich Deutschland auf europäischer Ebene in Fraktur. Auf dem Zeitungskopf prangt in altdeutscher Schrift ein ebenso ehrwürdig wie blechern klingender Titel: „The German Times“. Eine Zeitung für „Entscheider aus Politik und Wirtschaft“, verteilt an alle Abgeordneten der nationalen Regierungen. Die deutsche Meinung zu Europa. Auf durchschnittlich 36 Seiten, auf englisch.

50 000 Exemplare der „German Times“ erscheinen monatlich. Die rund 7000 Abgeordneten der Parlamente in Europa bekommen das Blatt kostenlos. Weitere Exemplare gehen an die Europäische Kommission und das Parlament, rund tausend in die Nicht-EU-Länder Türkei, Norwegen und Schweiz. Der Rest wird an den Kiosken der EU-Metropolen verkauft. Die Erlöse aus diesen Verkäufen finanzieren rund 20 Prozent des Projekts, den Rest liefern Anzeigenkunden.

„Wir behandeln Themen, die in den europäisch-nationalen Medien nur verkürzt angesprochen werden“, sagt Verleger Detlef Prinz. Der ehemalige IG-Metall-Vorstandssekretär kreierte das Blatt zu Beginn der deutschen Ratspräsidentschaft 2007. „The German Times“ solle vor allem die europäische Diskussion erden, die sich „vollkommen abgehoben unter denen abspielt, die aktiv die Politik entscheiden“.

Mit seiner PrinzMedien Holding gibt der Verleger bereits seit Oktober 2004 die „Atlantic Times“ heraus – das transatlantische Pendant. Prinz stemmt das deutsche EU-Blatt mit demselben Team, das auch den transatlantischen Bruder bestückt: Theo Sommer, ehemaliger Chefredakteur der „Zeit“, fungiert als Herausgeber, Chefredakteure sind Schriftsteller Rafael Seligman und Bruno Waltert, der ehemalige Chef der „Berliner Morgenpost“. Als Autoren kommen unter anderen der New-York-Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“ Nikolaus Piper und Alt-Kanzler und „Zeit“-Herausgeber Helmut Schmidt zu Wort.

Theo Sommer ist „überzeugt, dass die europäische Debatte durch die ,German Times’ belebt wird“. Dass sich das Blatt nur an die so genannten Entscheider wendet, ist für ihn zwangsläufig und folgerichtig: „Eine englische Publikation schränkt die Öffentlichkeit, der man sie anbieten kann, nunmal ein.“ Tim Klimeš

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