Medien : „Wir sind nicht vergreist“

Sonia Mikich über „Jung-Monitor“, die ARD und gekappte Polit-Magazine

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Frau Mikich, heute Abend hat „Monitor“ Premiere: Ihre Sendung hat wie die anderen politischen Magazine in der ARD noch 30 Minuten Länge. Was kappen Sie, wo 15 Minuten Sendezeit abhanden kommen?

Der Verzicht auf ein Thema ist stets unbefriedigend, ist aber in Zukunft die bittere Dosis Programmplanung für uns, leider. Am leichtesten verzichten wir in solchen Bereichen, die auch von unserer aktuellen Berichterstattung gut und gründlich abgedeckt werden. Ein Beispiel: die Fortschreibung des Themas Vogelgrippe.

Ist das alles – ein Thema weniger? Wo bleibt die Revolution oder wenigstens die Reformation?

Wir ändern, experimentieren, ziselieren bei Monitor dauernd, müssen nicht eingeschüchtert bei null anfangen. Also, permanente Revolution. Ob wir fünf mal Fünf-Minuten-Beiträge machen oder zwei mal zehn und zwei mal drei ist kein Glaubensbekenntnis, sondern einzig und allein eine journalistische Frage: Was gibt der Stoff her? Wie kann ich ihn interessant und klar erzählen? Unsere Autoren sind in der Form ganz frei.

Ob „Panorama“, „Kontraste“ oder „Monitor“ – das politische Magazin läuft vor den „Tagesthemen“. Darauf muss doch reagiert werden, damit der flüchtige Zuschauer nicht sagt: Oh, Frau Mikich moderiert jetzt auch die „Tagesthemen“.

Richtig. Also keine „Tagesthemen“ oder „heute journal“ „bleischwer“, keine Binnenkonkurrenz zu den Nachrichten. Wann immer möglich, setzen wir die Themen selbst. Der kritische und meinungsfreudige Grundton bleibt Erkennungsmerkmal.

Eine interne ARD-Untersuchung soll den ARD-Magazinen zwar Glaubwürdigkeit, aber auch fehlende Originalität und eine „trockene Gesamtanmutung“ bescheinigen. Nehmen Sie sich die Kritik zu Herzen?

Ja, sogar sehr. Darum auch immer wieder die Selbstkritik, das Ausprobieren, nicht erst wegen dieser Kürzung. Wir haben aber keinen Grund, in einer Peitsch-mich-Haltung zu erstarren. Glaubwürdigkeit und Engagement sind unser Kapital, sorgfältig über Jahrzehnte aufgebaut, wie die von Ihnen zitierte Studie ja deutlich beweist. Darum beneiden uns viele. Wir betreiben „klassischen“ Journalismus, ganz selbstbewusst. Aber wir wissen auch, dass die Erde nicht mehr eine Scheibe ist und dass sich Sehgewohnheiten ändern. Moderne Klassik eben.

Günter Struve, der ARD-Programmdirektor, hat es geschafft, dass die „Tagesthemen“ auf 22 Uhr 15 vorgerückt sind. Manche sagen, jetzt arbeite er an dem einen und einzigen ARD-Politmagazin, das der ZDF-Konkurrenz von „Frontal“ aber so richtig Paroli bieten könne. Wenn der Plan existiert: Was ist richtig daran?

Ich halte es für eine überflüssige Mode, das eher zentralistische ZDF kopieren zu wollen. „Frontal“ ist nicht deutlich besser oder schlechter als „Monitor“ oder „Panorama“. Das sagen die Zahlen, das weiß auch Struve. Die verschiedenen Schattierungen, Themensetzungen, Moderatoren bei den ARD-Magazinen sind nicht gesundheitsschädlich, sondern interessant. Wichtiger sind die einheitliche Sendezeit und die einheitliche Zuneigung der TV-Oberen für alle Politmagazine.

Sie arbeiten an einem „Jung-Monitor“ für das WDR-Fernsehen, damit endlich auch die jungen Zuschauer die Polit-Magazine wahrnehmen. Ist das „Monitor“-Publikum tatsächlich schon vergreist?

Nein, „Monitor“ liegt unter den ARD-Magazinen bei den 14- bis 29-Jährigen vorn. Oder trockener: Wir sind weniger „vergreist“, wie Sie es nennen, als andere. Aber ARD und ZDF sind insgesamt ältlich im Vergleich zu den Privaten. Wir müssen und werden jüngere Zuschauer ansprechen.

„Jung-Monitor“ – was haben wir uns darunter vorzustellen?

Themen aus der Lebenswirklichkeit der 29- bis 49-Jährigen. Sie wollen jüngere Protagonisten, Profis, Experten sehen. Was die Form betrifft, so stehen wir noch in einem fröhlichen Ideenwettbewerb. Moderation, Länge, Sendestart sind noch nicht festgelegt, alles kann gedacht und ausprobiert werden. Gerne Reportagen, aber kein Ex-und-hopp-Journalismus. Kein Alarmismus, kein Sofortismus. Es bleibt politisch. Und für Sie eine Exklusivinformation: Ich werde das nicht moderieren.

Das Interview führte Joachim Huber.

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