Medien : Wissen ist Macht: Das Interesse an Genomforschung wächst

Claudia Wessling

Quantencomputer, Gentechnologie - Themen aus Wissenschaft und Forschung sind en vogue. Die Zeitungsredaktionen reagieren auf das wachsende öffentliche Interesse, und zwar längst nicht mehr nur in speziellen Ressorts. "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher hat für das Feuilleton die Fruchtfliege entdeckt und ließ sämtliche Basenpaare des menschlichen Genoms auf mehreren Seiten abdrucken. Auch "Der Spiegel" widmet der "Explosion der Wissenschaften" im 21. Jahrhundert eine 40-teilige Serie. Wirkt sich der Boom der Forschungs- und Fortschrittsthemen auch auf die entsprechenden Spezialtitel aus?

Eine ganze Reihe von Titeln informiert über die Welt der Wissenschaft. Zu den Klassikern gehört das 1979 gegründete "Spektrum der Wissenschaft". Die deutsche Ausgabe des "Scientific American" richtet sich an ein akademisches Publikum, das sich nicht vor Fachvokabeln fürchtet. Seit Reinhard Breuer vor zwei Jahren die Chefredaktion übernahm, will das Blatt mit neuem Layout und peppigen Überschriften ein breiteres Publikum ansprechen.

Andere Wissenschaftsmagazine präsentieren sich eher populärwissenschaftlich. Etwa das 1964 von "Fernsehprofessor" Heinz Haber ins Leben gerufene "Bild der Wissenschaft", das gerade an einem Relaunch arbeitet. Technik, Kommunikation, neue Medien und Gesellschaft sollen mehr zum Zuge kommen. Zudem ist ein neuer Online-Auftritt geplant, der Lesern die Möglichkeit geben soll, direkt mit Forschern ins Gespräch zu kommen. Herausgeber von "Bild der Wissenschaft" ("BdW") ist die Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart. Sie bringt durch die 50-Prozent-Beteiligung an natur media, München, auch den Spezialtitel "Natur und Kosmos" heraus. "Wir sprechen den Leser an, der Spaß an Natur- und Umweltschutzthemen hat", sagt Chefredakteur Gerd Pfitzmeier. "Natur und Kosmos" ging aus der Fusion des Umweltblatts "Natur" mit dem traditionsreichen Wissenschaftsmagazin "Kosmos" hervor - für die Redaktion ein Spagat: der öko-orientierte "Natur"-Leser muss ebenso bedient werden wie die konservativeren "Kosmos"-Abonnenten. "Ohne Lexikon" soll man nach Ansicht Pfitzenmeiers die teils serviceorientierten, teils essayistischen Texte verstehen können.

Populärwissenschaftlich gibt sich auch das Münchner "P.M.". "Wir wollen den Leser nicht mit Zahlen, Fakten und Formeln erschlagen", sagt Chefredakteur Hans-Hermann Sprado. Zwischen 19 und 49, gebildet, gut verdienend und meistens männlich sei der typische "P.M."-Leser. Im August wurde gerade das Layout modernisiert. Aktuelles und Multimediathemen sollen verstärkt werden. Aus der "P.M."-Redaktion kommen zudem diverse Schwerpunkthefte, etwa zu historischen Themen. Im Herbst kommt mit "P.M.-Fragen und Antworten" ein weiterer Titel auf den Markt. "P.M." gehört zum Verlag Gruner + Jahr, der mit "Geo" und dem in Deutschland neuen "National Geographic" zwei weitere Wissenschaftstitel im Portfolio hat. Noch kauft "National Geographic"-Chefredakteur Klaus Liedtke 70 Prozent aller Artikel beim US-Original ein. Die Berichte über Expeditionen und Forschungsprojekte soll auch die "Sekretärin mit Abitur" verstehen.

"Die Leute wollen einfach die immer komplexer werdenden Wissenschaftsprozesse durchschauen", begründet "Geo"-Chef Peter-Matthias Gaede das gestiegene Interesse des Publikums. Die Auflagen der verschiedenen "Geo"-Hefte verzeichnen, so Gaede, eine leicht steigende Tendenz. Eine direkte Konkurrenz zu "National Geographic" mag er nicht sehen. Den leichten Auflagenrückgang führt Gaede auf Ableger wie "Geo Wissen" oder "Geo Special" zurück, die "Konkurrenz im eigenen Laden" machten.

Betrachtet man die Auflagenentwicklung, kann von einem Boom der Wissenschaftsmagazine keine Rede sein. Am oberen Rand der Skala bewegen sich "Geo" (481 600 Exemplare), "National Geographic" (275 000) und "P.M." (408 300). "Natur und Kosmos", "Spektrum der Wissenschaft" und "BdW" verkaufen rund 110 000 Exemplare. Dennoch wird sich nach Ansicht von "BdW"-Chefredakteur Wolfgang Hess das Segment vergrößern. Genomforschung und die anhaltende Revolution in der Elektronik, glaubt er, seien die gefragtesten Themen.

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