Medien : WM-Senderechte: Deutsch-britisches Match

Hendrik Bebber

Britische Fußballfans sollen die Fußball-EM weiterhin in frei empfangbaren Sendern verfolgen können. Kultur- und Sportminister Chris Smith hat der deutschen Kirch-Gruppe klar gemacht, dass er den Verkauf der alleinigen Übertragungsrechte ans Pay-TV nicht akzeptieren wird. Alle 64 Spiele des Wettbewerbs müssten in Großbritannien live - entweder von der BBC oder den gebührenfreien Privatsendern - ausgestrahlt werden. Der deutsche Mediengigant will gegen diese Entscheidung einen Prozess beim Europäischen Gerichtshof anstrengen.

"Wenn dieses Match beim Europäischen Gerichtshof in die Verlängerung und die Elfmeterentscheidung geht - kann er mir die Versicherung geben, dass er dann die britischen Interessen vertreten wird?", fragte der Abgeordnete John Grogan den Minister während der Unterhausdebatte im Februar. Chris Smith beruhigte seinen Parteifreund: "Wenn Übertragungsrechte an der WM vergeben werden, dann müssen sie der Allgemeinheit zugute kommen. Das ist der Sinn der Liste von sportlichen Großveranstaltungen, die von uns aufgestellt wurde, um dieses Prinzip rechtlich zu verankern. Wir werden es energisch verteidigen".

Britische Zeitungen empören sich, dass Leo Kirch - ein "Mann mit mehr Geld als Feingefühl" ("The Guardian") - ihnen das kostenlose WM-Vergnügen rauben will. Ein Kompromiss, wie er zwischen Kirch und ARD/ZDF erreicht wurde, ist nicht abzusehen. Die Briten berufen sich auf die "Liste der sportlichen Kronjuwelen", die 1996 im Rundfunkgesetz verankert wurde. Sie klassifiziert die WM als "Ereignis von nationaler Bedeutung", die komplett von den gebührenfreien Sendern übertragen werden müssen.

Die Kirch-Gruppe vertritt den Standpunkt, das britische Gesetz sei "retrospektiv" verkündet worden, als sie sich im September 1996 die Übertragungsrechte gesichert hatte. Die Europäische Kommission hätte ungeachtet ihrer Urheberrechte und den Prinzipien des freien Handels die aufgebesserte britische Liste anerkannt. Falls die Deutschen vor dem Europäischen Gerichtshof gewinnen sollten, stehen die Chancen schlecht, dass die Briten alle Spiele gebührenfrei sehen können. Die BBC und die kostenlose Privatsendergruppe ITV können allenfalls 60 Millionen Mark für die Übertragungsrechte zahlen. Kirch verlangt das Neunfache. Zudem ist er eng mit Rupert Murdoch verbunden, dessen Pay-TV-Satellitensender BskyB an dem Übertragungsmonopol interessiert ist und dafür die nötigen finanziellen Mittel hat. 1992 hatte Murdoch bereits seine Rivalen bei den Übertragungsrechten von Live-Spielen der englischen Fußball-Liga ausgestochen. Hier stehen nur die Finale auf der Liste der sportlichen Kronjuwelen.

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