Medien : WM-Übertragungsrechte: "Hausfrauen-Fernsehen"

Joachim Huber<p>^

Die ARD-Intendanten haben sich festgelegt: "Keine Fußball-WM 2002 ohne die Fußball-WM 2006". Mit Rechteinhaber Leo Kirch müsse weiterverhandelt werden, hieß es nach den Beratungen am Samstag. Deswegen sei der vorliegende Vertrag zwischen Kirch und ARD/ZDF Makulatur. Die Kirch-Gruppe hatte die Übertragungsrechte der beiden nächsten Weltmeisterschaften für 3,4 Milliarden Mark erworben. Der Knackpunkt für die ARD-Chefs ist die Fußball-WM 2006 in Deutschland, für die das deutsche Nationalteam automatisch qualifiziert ist. Die bisher erzielte Vereinbarung mit der Kirch-Gruppe über 2002 enthält keine bindende Option für die WM 2006. "Wir wollen jetzt eine Paketlösung. Die WM 2002 in Japan und Südkorea, das ist doch Hausfrauen-Fernsehen mit den Übertragungen am Vormittag", sagte ein Teilnehmer des ARD-Treffens. 2006 sei ein Fernseh-Event sondergleichen, bringe Quote und Prestige. Über das Verhandlungsziel der Fernsehrechte 2006 bei den Öffentlich-Rechtlichen sei während der Beratungen sehr schnell Einigkeit erzielt. Und, siehe da, auch ZDF-Intendant Dieter Stolte, mit dem bisherigem Vertragsentwurf sehr einverstanden, schwenkte am Sonntag auf die ARD-Linie ein. "Das Bessere ist immer des Guten Feind", erklärte Stolte. Im Interesse einer einheitlichen Haltung werde er sich an den Gesprächen mit der Kirch-Gruppe beteiligen, die der weiteren Verbesserung der bisher erreichten Vertragskonditionen dienen sollen. Der ZDF-Schwenk wurde in ARD-Kreisen mit den Worten "Gut, dass es die ARD gibt" kommentiert. Am Verhandlungswillen des Leo Kirch hegte ein ARD-Intendant kein Zweifel: "Kirch ist ein Händler. Mit dem kann man über alles reden." Auch über Gegengeschäfte, einmal Olympia, andererseits Fußball-EM 2004. Die Rechte für beide Ereignissen halten ARD und ZDF. Ein Rechte-Paket 2002 und 2006 wird für ARD und ZDF sehr teuer, eine halbe Milliarde Mark ist vorstellbar.

Die Kirch-Gruppe hält offiziell an dem ausgehandelten, aber nicht unterschriebenen Vertrag fest. Nach Ansicht von KirchMedia-Sprecher Hartmut Schultz haben ARD/ZDF und das Unternehmen am 30. Dezember 2000 eine Einigung über einen Vertrag zur WM 2002 und zu den Olympischen Spielen der nächsten Jahre erzielt. Die Intendanten von ARD und ZDF hätten den erzielten Ergebnissen zugestimmt, sagte Schultz am Sonntag. "Den Wunsch der ARD zu Nachverhandlungen nimmt KirchMedia mit Überraschung zur Kenntnis." Sein Unternehmen will sich Gesprächen zum Erwerb weiterer Rechte nicht verschließen, sieht diese aber nicht in Zusammenhang mit der erzielten Einigung zur WM 2002.

Nach dem bisherigen Verhandlungsstand hätten ARD und ZDF für die Live-Ausstrahlung von 24 Spielen bei der Fußball-WM 2002 rund 225 Millionen Mark bezahlen sollen. Darunter sind das Eröffnungsspiel, das Finale und die Begegnungen mit deutscher Beteiligung. Etwa 70 Millionen Mark würden gegenfinanziert, indem Kirch mit seinem Pay-TV-Sender Premiere World bei Olympia partizipieren würde.

Da die Spiele 2002 zwischen 8 Uhr 30 und 13 Uhr beginnen und die Zahl der deutschen Spiele sehr variieren kann, erschien Kritikern der Preis pro Partie zu hoch, zumal es sich um keine Exklusiv-Rechte handelt, sondern Premiere World parallel ausstrahlen darf. Außerdem ist Kirch gesetzlich verpflichtet, Eröffnungsspiel, Finale und Begegnungen mit deutscher Beteiligung im frei empfangbaren Fernsehen zu zeigen. Er muss diese Spiele auf alle Fälle an einen Privatsender oder an die öffentlich-rechtlichen Anstalten verkaufen.

Die anstehenden Verhandlungen könnten schwieriger werden, vom Umfang wie den Details her. So möchte die ARD auch im Radioberichten können. Kirch seinerseits will, dass die ARD ihr Satelliten-Programm verschlüsselt, um die Abstrahlung der Spiele ins Ausland zu vermeiden. Das lehnt wiederum die ARD ab, wäre damit doch der Status des frei empfangbaren Fernsehens aufgegeben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar